Erstes Babyfenster der Schweiz schliesst
Vor 23 Jahren richtete das Spital Einsiedeln das erste Babyfenster der Schweiz ein – symbolträchtig wurde es am Muttertag präsentiert. «Das Spital Einsiedeln war das erste Spital der Schweiz, das die Gründe einer Mutter, sich von ihrem Neugeborenen zu trennen, nicht hinterfragen wollte, sondern mit Blick auf die Unversehrtheit des Neugeborenen ein Babyfenster anbot», schreibt das Spital.
Doch nun schliesst das Spital seine Geburtenabteilung und im Zuge dessen auch das Babyfenster, wie der «Blick» vermeldete. Über die Jahre sind 14 Kinder anonym abgegeben worden. Die Mutter legte das Baby auf ein Wärmebett und nach drei Minuten machte ein Alarmsignal das Pflegepersonal darauf aufmerksam.
Die Schweizerische Hilfe für Mutter und Kind (SHMK) hat zusammen mit dem Spital Einsiedeln das Babyfenster eingerichtet. Seither wurden fünf weitere geschaffen. Die SHMK hat laut eigener Aussage Interesse daran, in der Zentralschweiz weiterhin ein gut abgestütztes Babyfenster zu haben. Laut der SHMK habe die Zahl der ausgesetzten und getöteten Babys seit 2001 im Vergleich zu den Vorjahren «deutlich abgenommen».
Derzeit laufen Abklärungen, ob das Spital Schwyz das Angebot übernehmen könnte. Auf Anfrage von ref.ch bestätigt dies die Spitalleitung: «Im Zusammenhang mit der Schliessung der Geburtenabteilung am Ameos Spital Einsiedeln wurde die Anfrage an uns gestellt, ob das Spital Schwyz das Angebot Babyfenster übernehmen kann.»
Das Angebot eines Babyfensters richte sich an Mütter in extremen Notsituationen. Das Thema sei wichtig und komplex. «Es erfordert eine sorgfältige und professionelle Abklärung sowie Austausch mit allen involvierten Parteien», erklärt Michael Linggi, stellvertretender Spitaldirektor.
Aktuell prüften Direktion und Spitalleitung zusammen mit den medizinischen Fachleuten, ob und in welcher Form dieses Hilfsangebot am Spital Schwyz eingeführt werden sollte. «Eine Entscheidung wird in den zuständigen Gremien in den kommenden Wochen gefällt», sagt Linggi.