Österreich

Kleine Kerzen-Diebe und ein Plauderbankerl

Auf den Wiener Friedhöfen gibt es zwischen den Gräbern viel Leben zu entdecken – und eine besondere Parkbank.

Bemerkenswerte Jugendstil-Architektur, eine schöne Parklandschaft und Ehrengräber von Wolfgang Amadeus Mozart, Johann Strauss, Christiane Hörbiger oder Falco: Der Wiener Zentralfriedhof ist sehenswert und für viele Touristen eine Attraktion. 

Bei dem Besucherandrang verwundert es, dass sich auch Wildtiere gerne in der Anlage aufhalten. Doch der Zentralfriedhof, der zu den grössten Friedhöfen Europas zählt, ist so weitläufig, dass sich neben zahlreichen Vogelarten wie Turmfalken, Reptilien wie Nattern und Amphibien wie Wechselkröten sogar Füchse und Rehe darin aufhalten.

Der ansonsten scheue Feldhamster fühlt sich wohl auf dem Wiener Zentralfriedhof. (Bild: Martina Konecny - BaF)

Erstaunlich oft bekommen Besucherinnen auch den an und für sich scheuen dreifarbigen Feldhamster zu sehen. «Uns werden viele Sichtungen von Hamstern gemeldet, die versuchen, eine Kerze vom Grab zu stehlen und sie in ihren Bau zu stopfen», schreibt die Uni Wien in einer Mitteilung. Der Grund: Grabkerzen stehen auf dem Speiseplan der Nager, weil sie eine Fettquelle sind und die Hamster das Wachs gut verdauen können. 

Die Biodiversität auf dem Friedhof soll gezielt gefördert werden. Dazu erfassen Forscher der Uni Wien in einem ersten Schritt sämtliche Arten. Hilfe erhalten sie bei dieser aufwändigen Arbeit von Bürgerinnen und Bürgern, die sich in ihrer Freizeit als «Citizen Scientists» engagieren.

Nur mit einem vollständigen Bild der Vielfalt auf dem Friedhof, heisst es in der Mitteilung, lasse sich einschätzen, ob diese Orte der Ruhe nicht nur als Rückzugsräume von Tierarten in der Stadt genutzt würden, sondern auch als Korridore. Friedhöfe fungieren als wichtige Brücken zwischen städtischen Mikrohabitaten, insbsondere für niedere Wirbeltiere, Insekten und Weichtiere. 

Während sich der Zentralfriedhof für die Vielfalt der Tiere einsetzt, bietet der Wiener Friedhof Hernals einsamen Menschen Unterstützung an. Dazu hat er vor einem Jahr ein sogenanntes «Plauderbankerl» eingerichtet: eine Parkbank, auf der Friedhofsbesucherinnen und -besucher zu bestimmten Zeiten mit Ehrenamtlichen ins Gespräch kommen können. Das Motto: «einander zuhören, sich austauschen, gestärkt nach Hause gehen». (hz)

Mit diesem Beitrag beenden wir die Rubrik «Good News». Nichtsdestotrotz werden wir uns bemühen, Ihnen auf ref.ch auch in Zukunft in regelmässigen Abständen positive und inspirierende Nachrichten zu präsentieren. (Die Redaktion)

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