Frauen auf der ganzen Welt fordern mehr Rechte

Am Internationalen Frauentag gingen weltweit Tausende von Frauen auf die Strasse. In mehreren Städten kam es zu gewalttätigen Zusammenstössen mit Gegendemonstranten und der Polizei. Wegen der Corona-Epidemie mussten zahlreiche Veranstaltungen abgesagt werden.


Anlässlich des Internationalen Frauentags vom 8. März protestierten Frauen weltweit gegen patriarchale Strukturen, Sexismus und fehlende Gleichstellung. Im ultrakonservativen Pakistan gab es am Sonntag in mehreren Städten Kundgebungen  – und auch Gegendemonstrationen. In der Hauptstadt Islamabad forderten rund tausend Frauen und auch einige Männer gleiche Rechte für die Geschlechter. «Frauen in Pakistan werden als Eigentum ihres Mannes angesehen», kritisierte die Aktivistin Tahira Maryum. «Es ist nichts Anstössiges daran, seine Rechte einzufordern.»

Die Demonstrantinnen wurden nur durch eine Polizeikette von der Gegenkundgebung getrennt. Bei dieser hielten in Burkas gekleidete Frauen Schilder wie «Anti-Feminist» und «Unser Körper, Allahs Wille» in die Höhe. Ein Reporter der Nachrichtenagentur «AFP» sah, wie Männer mit Steinen und Stöcken auf die Demonstrantinnen warfen.

Zu Ausschreitungen kam es auch bei einer Demonstration gegen Gewalt gegen Frauen in Kirgistan. Maskierte Männer mit traditionellen Kopfbedeckungen attackierten die Teilnehmerinnen in der Hauptstadt Bischkek, bewarfen sie mit Eiern und entrissen ihnen die Plakate. Die Polizei nahm mehrere dutzend Frauen fest.

Internet-Kampagnen statt Strassenmärsche

In Europa war die Beteiligung an Demonstrationen vielerorts geringer als in den Vorjahren. Viele Frauenrechtsgruppen organisierten unter den Hashtags #FemaleStrike und #38InternationalWomensDay Internet-Kampagnen statt Strassenmärsche.

In mehreren Schweizer Städten nutzten Frauen den Frauentag, um mehr Gleichstellung und weniger Diskriminierung zu fordern. Der übliche Grossaufmarsch von Frauen war angesichts des vom Bund und den Kantonen erlassenen Verbotes von Veranstaltungen mit mehr als 1000 Personen wegen des Corona-Virus nicht zu erwarten. Stattdessen versammelten sich Frauen zu kleineren Demonstrationen und Aktionen an verschiedenen Orten.

Frauentag im Zeichen von Corona

In Asien wurden die Frauentags-Demonstrationen massiv von der Angst vor dem neuartigen Corona-Virus überschattet. Demonstranten in Bangkok forderten angesichts dutzender Infektionsfälle in Thailand einen besseren Arbeitsschutz und mehr Rechte für Frauen. In China, wo die Epidemie ihren Ausgang nahm, hoben Staatsmedien den Einsatz von weiblichem medizinischen Personal im Kampf gegen das Virus hervor.

In Südkorea, das mit mehr als 7000 nachgewiesenen Corona-Fällen der grösste Infektionsherd ausserhalb Chinas ist, wurden mehrere geplante Veranstaltungen zum Frauentag abgesagt. «Auch wenn wir nicht physisch zusammen sein können, ist unser Bewusstsein für Geschlechtergerechtigkeit stärker als je zuvor», sagte die südkoreanische Gleichstellungsministerin in einer Videobotschaft.

Duterte-Puppe verbrannt

In Indien wurde wegen der Corona-Epidemie ein geplanter Frauen-Marathon abgesagt. Anlässlich des Weltfrauentags überliess Premierminister Narendra Modi jedoch seine Konten in den sozialen Medien den Stimmen prominenter Frauen.

Die Demonstration in der philippinischen Hauptstadt Manila richtete sich auch gegen Präsident Rodrigo Duterte, dem immer wieder Frauenfeindlichkeit vorgeworfen wird. Demonstranten verbrannten eine riesige Puppe, die Duterte darstellte. Im indonesischen Jakarta forderten Demonstrantinnen Gesetze gegen sexuelle Gewalt.

Guterres fordert Gleichstellung

Uno-Generalsekretär Guterres bezeichnete die mangelnde Gleichstellung der Frauen in vielen Bereichen als «die überwältigende Ungerechtigkeit unserer Zeit und die grösste Herausforderung für die Menschenrechte». Das 21. Jahrhundert müsse das «Jahrhundert der Gleichstellung von Frauen sein», forderte Guterres in einem Gastbeitrag für die «Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung». Er kritisierte auch den täglichen Sexismus, dem Frauen ausgesetzt seien. (sda/no)