Der 19-jährige Jared ist als Sohn eines Baptistenpfarrers in seinem Glauben tief verwurzelt. Nachdem er auf dem College von einem Mitstudenten und seinem heimlichen Schwarm vergewaltigt wird, gerät seine Welt aus den Fugen. Jared stellt sich darauf seiner Homosexualität. Seine Eltern zeigen für sein Coming-out jedoch wenig Verständnis und verlangen von ihm, sich zu ändern. Dafür soll Jared im Zentrum «Love in Action» in einer US-Kleinstadt eine mehrwöchige Reparativtheraphie durchlaufen, die aus ihm einen heterosexuellen Mann machen soll.
Der zweite Film von Multitalent Joel Edgerton (der hier zugleich als Regisseur, Schauspieler, Produzent und Drehbuchautor fungiert) findet starke und ehrliche Bilder, um Jareds inneren Kampf mit sich und seiner Umwelt sichtbar zu machen. Der glaubhafte Ton dieser autobiografischen Romanverfilmung spiegelt sich in jedem Detail wieder, von der Besetzung der Nebenrollen bis zur Musik, und wird von den beeindruckenden Darbietungen von Lucas Hedges, Nicole Kidman und Russell Crowe getragen.
Keine Überzeichnung
Edgerton überzeichnet die Umkehrprogramme nicht wie andere Filme dieser Art. Stattdessen zeigt er, wie allein durch das Suggerieren von Schuldgefühlen und durch Erniedrigung junge Menschen verstört und schlussendlich gebrochen werden können. Trotzdem ergibt sich das Drama nicht in Schwarz und Weiss. Boy Erased zeigt Verständnis für alle Beteiligten, die in ihren Überzeugungen gefangen sind.
Boy Erased, USA/Australien 2018, Regie: Joel Edgerton, Besetzung: Lucas Hedges, Nicole Kidman, Russell Crowe, Verleih: Universal Pictures
Seit: 21. Februar in den Schweizer Kinos