Fachstelle berät deutlich mehr Opfer von Menschenhandel

Im vergangenen Jahr wandten sich mehr Betroffene von Menschenhandel an die Fachstelle Frauenhandel und Frauenmigration als im Vorjahr. Gross sei die Nachfrage auch nach Unterstützung im Asylbereich, die von den Zürcher Kirchen finanziert wird.


Die Fachstelle Frauenhandel und Frauenmigration (FIZ) hat 2019 insgesamt 255 Betroffene von Menschenhandel betreut. Dies seien 34 Fälle mehr als im Vorjahr und so viele wie noch nie zuvor, schreibt die Fachstelle in ihrem Jahresbericht.

Von den erfassten Fällen seien 169 Frauen als Opfer identifiziert worden. Bei 55 weiteren Fällen handelte es sich um mutmassliche Opfer, bei denen die Abklärungen noch im Gang oder nicht mehr möglich sind. Des weiteren beriet die Fachstelle auch Opfer mit Spätfolgen sowie wenige Männer und Transmenschen. Die Betroffenen stammten aus Nigeria, Ungarn, Afghanistan, Brasilien, Eritrea sowie aus weiteren rund 40 Ländern und seien mehrheitlich im Sexgewerbe ausgebeutet worden. 32 der Opfer wurden als Arbeitskräfte in Privathaushalten und im Gastgewerbe ausgenutzt, schreibt die FIZ weiter.

Als Erfolg wertet die Fachstelle ihr neues Projekt «Umfassender Schutz für Opfer von Menschenhandel im Asylbereich». Dieses garantiert Betroffenen, die im Ausland ausgebeutet wurden und erst danach in die Schweiz kamen, medizinische und psychologische Hilfe sowie Rechtschutz. Es setzt damit bei einer Lücke im Opferschutz an: So haben Betroffene von Menschenhandel bislang keinen Anspruch auf gesetzliche Opferhilfe, wenn der Tatort im Ausland liegt.

Abschiebungen verhindert

Die insgesamt 94 Fallmeldungen von Opfern von Menschenhandel im Asylbereich zeigten, dass ein grosser Bedarf vorhanden sei, schreibt die FIZ. 61 Opfer konnten schliesslich identifiziert und langfristig beraten werden. In 21 Fällen konnte die Fachstelle eine Rückschaffung in ein Dublin-Land verhindern. Das Projekt wird von der Reformierten Kirche Kanton Zürich, der Katholischen Kirche im Kanton Zürich und dem Katholischen Stadtverband Zürich finanziert.

Einen Anstieg verzeichnete die Fachstelle auch bei den Beratungen für Migrantinnen. Demnach wurden 2019 insgesamt 377 Frauen betreut, rund dreissig Fälle mehr als im Vorjahr. Der grösste Teil der Hilfe suchenden Frauen seien Sexarbeiterinnen, schreibt die FIZ. Aufgrund der per Anfang 2019 in Kraft getretenen Verschärfung des Ausländergesetzes sei zudem die Zahl der aufenthaltsrechtlichen Anfragen stark gestiegen. (no)