Fachstelle fordert mehr Schutz für Opfer von Menschenhandel

Die Fachstelle Frauenhandel und Frauenmigration hat im vergangenen Jahr deutlich mehr Migrantinnen beraten als im Vorjahr. Opfer von Menschenhandel aus dem Asylbereich seien zudem besonders schutzlos, schreibt die Fachstelle in ihrem Jahresbericht.


Die Fachstelle Frauenhandel und Frauenmigration (FIZ) hat in Zürich zwei Anlaufstellen: die Beratungsstelle für Migrantinnen und die Interventionsstelle für Betroffene von Frauenhandel (Makasi). Für beide hat die Fachstelle im ihrem Jahresbericht 2018 nun die Zahlen ausgewiesen.

Demnach ist die Zahl der Beratungen bei der Beratungsstelle für Migrantinnen stark angestiegen, und zwar auf insgesamt 348 (Vorjahr: 299). Vor allem die Beratungen von Sexarbeiterinnen haben zugenommen. Zum Anstieg beigetragen habe unter anderem das Projekt «Stark mit Peers», heisst es im Bericht. Dabei informieren vier erfahrene Sexarbeiterinnen aus verschiedenen Herkunftsländern andere Prostituierte über Schutzmassnahmen gegen Straftaten sowie über Beratungs- und Unterstützungsangebote.

Mehr Herkunftsländer

Die Interventionsstelle Makasi hat im vergangenen Jahr insgesamt 221 von Frauenhandel Betroffene unterstützt. 108 Fälle kamen neu hinzu, davon waren 34 Asylsuchende. 113 sind laufende Betreuungen aus den Vorjahren. Die Gesamtzahl der betreuten Personen bei der Interventionsstelle bleibe damit seit über fünf Jahren auf hohem Niveau, schreibt die FIZ.

Allerdings sei die Unterstützung 2018 komplexer geworden. Die Anzahl der Herkunftsländer habe sich von 35 auf 42 erhöht und es bestehe ein zunehmender Bedarf an Sprachkenntnissen. Die meisten der neuen Fälle kommen mit 14 Prozent aus Ungarn. Jeweils 8 Prozent stammen aus Nigeria und Rumänien, 7 Prozent aus Bulgarien.

Lücke im Opferschutz schliessen

Die FIZ äussert in ihrem Jahresbericht auch Kritik. So klaffe im Asylbereich in der Schweiz nach wie vor eine grosse Lücke im Opferschutz. Es gebe keine einheitlich definierten Prozesse und Abläufe für den Schutz von Menschenhandelsopfern. Und es gebe keine staatliche Finanzierung gemäss Opferhilfegesetz, wenn der Tatort nicht ermittelt werden könne oder nicht in der Schweiz liege.

Die FIZ hat daher das Projekt «Umfassender Schutz für Opfer von Menschenhandel im Asylbereich» aufgegleist. Dieses will den Betroffenen medizinische und psychologische Unterstützung sowie Rechtsschutz garantieren. Das Projekt wird finanziert von der Evangelisch-reformierten Landeskirche des Kantons Zürich, der Katholischen Kirche im Kanton Zürich und dem Katholischen Stadtverband Zürich. (sda/no)