Schweizer Gründer von christlicher Miliz vor Gericht

Wegen seines Einsatzes bei der Miliz Syriac Military Council (SMC) wird Johan Cosar, einem Ex-Wachtmeister der Schweizer Armee, der Prozess gemacht. Cosar hat seinen Einsatz vor dem Militärgericht damit begründet, dass er den vom IS bedrohten Christen helfen wollte.


Der Wachtmeister Johan Cosar half 2012 mit, die christliche Miliz Syriac Military Council zu gründen. Nun muss er sich vor dem Militärgericht verantworten. Der angeklagte Tessiner stammt aus einer assyrischen Familie und ist Christ. Seine Mutter ist türkischer Abstammung. Sein Vater hat türkisch-syrische Wurzeln.

Vor seinem Engagement in Syrien führte der heute 37-Jährige ein normales Leben. Er wuchs im Tessin auf und absolvierte dort alle Schulen. Anschliessend studierte er in Schweden. Nach seiner Rückkehr in die Schweiz machte er die Rekrutenschule und wurde Wachtmeister.

Vater war in Syrien

Im Jahr 2011 geriet jedoch alles aus den Fugen, wie Cosar vor dem Militärgericht sagte, das am 20. Februar in den Räumlichkeiten des Bundesstrafgerichts in Bellinzona tagte. Nach dem arabischen Frühling seien die Konflikte in Syrien ausgebrochen, wovon seine Familie stark betroffen gewesen sei.

«Ich habe deshalb entschieden, vor Ort zu gehen. Ich wollte selbst sehen, was im Norden Syriens geschieht, wo der grösste Teil der assyrischen Gemeinschaft lebt», sagte Cosar vor Gericht.

Damals war der Vater des Ex-Wachtmeisters bereits in Syrien. Kontakte zum Vater hatte Cosar gemäss eigenen Angaben selten. Am 13. August 2013 erfuhr die Familie vom syrischen Geheimdienst von der Festnahme des Vaters. «Seither haben wir nichts mehr von ihm erfahren», sagte Cosar.

«Verteidigen oder sterben»

Bis im August 2012 widmete sich der Angeklagte in Syrien humanitären Aktionen. Als Freelancer wirkte er zudem bei einer Reportage des schwedischen Fernsehens mit und arbeitete für einige Tessiner Medien. Die Situation eskalierte gegen Ende 2012 aber zunehmend. So half Cosar bei der Gründung der Miliz SMC mit und rekrutierte Soldaten vor Ort.

Die Militärjustiz wirft dem Angeklagten vor, von 2013 bis 2015 ohne die Erlaubnis des Bundesrats fremden Militärdienst geleistet zu haben. Weiter wird er beschuldigt, eine nicht bestimmte Anzahl von Schweizern rekrutiert oder dies zumindest versucht zu haben. Die Tatbestände fallen unter die Schwächung der Wehrkraft.

«Es ging uns Christen darum, uns im Voraus gegen den IS zu schützen», sagte der Angeklagte. Verteidigen oder sterben, das seien die Möglichkeiten gewesen.

Auch Cousin war in der Miliz

Vor dem Militärgericht stand auch Cosars Cousin. Dieser wurde 1989 in Locarno geboren und wohnt derzeit in Genf, wo er in einer Bank arbeitet. Er schloss 2015 sein Studium an der Universität Lausanne im Fach Kriminalwissenschaften ab. Durch die Strafuntersuchung wurde seine Karriere beendet.

Nach einem Unfall beim Fussballspielen wurde der Mitangeklagte vom Militärdienst dispensiert. Er unterstützte Cosar bei der Rekrutierung von Schweizer Soldaten für die Miliz, indem er auf sozialen Medien entsprechende Aufrufe platzierte – unter anderem auf Facebook und Youtube. Zahlreiche Mitglieder des assyrischen Diaspora im Tessin sind zum Prozess erschienen. Das Urteil wird am 22. Februar erwartet. (sda/bat)