Die aktuelle Flüchtlingspolitik hat am Sonntag den Auftakt der Synodentagung der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) in Bremen bestimmt. Der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm stellte sich, so die Nachrichtenagentur epd, hinter die Politik von Regierungschefin Angela Merkel. «Der Versuch, uns durch Abschottung die faktisch ja vorhandene massive Not vom Leibe zu halten, wäre ethisch nicht zu rechtfertigen», sagte er. Die Europäische Union indes habe sich bisher als unfähig erwiesen, mit der Flüchtlingssituation angemessen umzugehen.
Bedford-Strohm wandte sich gegen eine Absenkung des Schutzstatus für syrische Flüchtlinge. Für die beiden christlichen Kirchen seien eine rechtliche Herabstufung syrischer Flüchtlinge und eine Politik der Abschottung gegenüber Menschen, die vor dem IS-Terror fliehen, nicht zu akzeptieren, sagte er.
Weiter meinte der EKD-Ratsvorsitzende, wenn sich Europa wirklich auf seine christlichen Wurzeln berufen wolle, müssten alle zur Aufnahme von Menschen in Not bereit sein. «Aber darüber besteht in Europa keine Einigkeit», sagte der Theologe. Auch der EKD-Friedensbeauftragte Renke Brahms habe vor einer Abschottung Europas gewarnt. Scharfe Kritik habe Bedford-Strohm an fremdenfeindlichen Demonstrationen von «Pegida» und der «radikalisierten ‚Alternative für Deutschland’» geäussert, heisst es weiter.
Im Mittelpunkt der viertägigen Beratungen in Bremen stehen die Neuwahl der EKD-Führungsspitze und die Vorbereitungen zu 500. Reformationsjubiläum im Jahr 2017.
Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, warnte in einem Grusswort an das Kirchenparlament zudem vor einem zunehmenden Antisemitismus, da viele Flüchtlinge aus Ländern kämen, wo «eine feindliche Einstellung zu Israel normal ist». (epd)