Evangelische Kirche bekennt «jahrzehntelanges Versagen»
Nach der jüngst vorgestellten Studie über den Missbrauch an Kindern und Jugendlichen haben wichtige Gremien der evangelischen Kirche in Deutschland eine Erklärung abgegeben. Die Studie lege ein «jahrzehntelanges Versagen der evangelischen Kirche und der Diakonie auf allen Ebenen und in allen Landeskirchen offen», heisst es in der Stellungnahme des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), der 20 evangelischen Landeskirchen und des Bundesvorstands der Diakonie.
Betroffene seien nicht gehört, Taten nicht aufgearbeitet, Täter geschützt und Verantwortung nicht übernommen worden. «Sexualisierte Gewalt gehört zur Realität unserer Kirche und unserer Diakonie. Diese Einsicht nimmt uns in die Pflicht», heisst es in der Stellungnahme.
EKD, Landeskirchen und Diakonie formulieren darin auch Konsequenzen. Man verpflichte sich zu einheitlichen Standards der Prävention und Transparenz, einheitlichen Verfahren für kirchliche Zahlungen – die sogenannten Anerkennungsverfahren – sowie einen einheitlichen Prozess der weiteren Aufarbeitung sexualisierter Gewalt.
Konkrete Schritte sollen im Beteiligungsforum der EKD, in dem kirchliche Verantwortliche und Betroffene vertreten sind, besprochen werden. Mitte Februar werde das Gremium gemeinsam mit den Forschenden die Ergebnisse und Empfehlungen erstmals beraten, heisst es in der Stellungnahme. Die Rede ist darin von einem «klaren Massnahmenplan». Die Stellungnahme bekennt sich zur Beteiligung von Betroffenen. Man stehe hinter dem «Grundsatz der direkten Mitentscheidungen» von Betroffenenvertretern und -vertreterinnen.
Ende Januar wurde die von der EKD beauftragte Studie des unabhängigen Forschungsverbunds ForuM veröffentlicht. Sie zeigt Ausmass und Risikofaktoren sexualisierter Gewalt in der evangelischen Kirche. Die Wissenschaftler ermittelten mindestens 2225 Betroffene und 1259 Beschuldigte, gehen aber davon aus, dass die tatsächliche Zahl weit höher liegt. (epd/ no)