Missbrauch

Evangelische Kirche in Österreich geht bei Aufarbeitung eigene Wege

Die Evangelische Kirche in Österreich setzt bei der Aufarbeitung sexualisierter Gewalt auf die Zusammenarbeit mit einer Opferschutzorganisation. Eine Studie nach deutschem Vorbild sei nicht geplant.

Eine Studie zu sexualisierter Gewalt in der evangelischen Kirche und Diakonie in Deutschland hat vergangene Woche für Bestürzung gesorgt. Schätzungen zufolge wurden seit 1946 rund 9355 Kinder und Jugendliche sexuell missbraucht. Mindestens 2225 Missbrauchsfälle konnten belegt werden (ref.ch berichtete).

Einen anderen Weg bei der Aufarbeitung von sexualisierter Gewalt geht die Evangelische Kirche in Österreich. In einer Stellungnahme auf der Website der Kirche betonte ihr Oberhaupt, Bischof Michael Chalupka, dass man bereits seit 2011 mit der Opferschutzorganisation «Weisser Ring» zusammenarbeite. Damals habe man entschieden, dass alle Fälle zur Anzeige gebracht werden sollen und weiter zurückliegende Fälle vom «Weissen Ring» bearbeitet werden.

«Kirche und ihre Einrichtungen dürfen keine Blackbox sein, wir brauchen den Blick von aussen, ein transparentes Verfahren und die Möglichkeit für Betroffene, sich anonym bei einer von der Kirche unabhängigen Stelle zu melden», wird Chalupka in der Mitteilung zitiert.

Der Bischof betonte, dass man keine Studie nach deutschem Vorbild plane. «Wir waren von Anfang an überzeugt, dass einzig eine völlig unabhängige und fachliche kompetente Stelle die Aufarbeitung und Entschädigung für Betroffene von Gewalt und Missbrauch leisten kann.»

Eine unabhängige Kommission des «Weissen Ringes» entscheide demnach über Entschädigungsleistungen und Therapien. Diese Entscheidungen müssten von der Kirche zwingend anerkannt werden und seien zudem die Grundlage einer möglichen staatlichen Opferrente, so Chalupka weiter.

Eine Studie zu sexualisierter Gewalt steht derzeit auch in den reformierten Kirchen der Schweiz zur Debatte. So sagte die Ratspräsidentin der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz (EKS), Rita Famos, im «Blick», dass die Aufarbeitung von Missbrauchsfällen zu kurz gekommen sei, daher brauche es eine unabhängige Studie. (no)