Armut
Europäische Union legt erste Strategie gegen Armut vor
Erstmals hat die Europäische Union eine umfassende Strategie zur Bekämpfung von Armut gefasst. Nach dem Konzept der EU-Kommission soll die Zahl der von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedrohten Menschen bis 2030 um mindestens 15 Millionen sinken. Bis 2050 soll die Armut «beendet» sein. Zusätzliche Mittel stellt die Kommission allerdings nicht bereit.
Hintergrund sind wachsende soziale Probleme in Europa. Jeder fünfte Mensch in der EU gilt aktuell als armutsgefährdet, bei Kindern ist es rund jedes vierte. Insgesamt sind das nach EU-Angaben 93 Millionen Menschen. Besonders gefährdet sind demnach Alleinerziehende sowie junge Menschen zwischen 16 und 29 Jahren.
Zum Vergleich: In der Schweiz lebten 2025 rund 8 Prozent der Bevölkerung unter dem Existenzminimum. Das sind rund 743'000 Personen. Weitere 1,2 Millionen Menschen in der Schweiz gelten als armutsgefährdet. Die Zahlen stammen aus dem Nationalen Armutsmonitorung des Bundes.
Ein Schwerpunkt der EU-Strategie liegt auf der Bekämpfung von Kinderarmut, etwa durch besseren Zugang zu Bildung, Gesundheitsversorgung und Betreuung. Auch Mentoring-Angebote und Hilfen für die psychische Gesundheit sollen gestärkt werden.
Empfehlung: Bezahlbaren Wohnraum ausbauen
Zugleich will die Kommission stärker gegen Wohnungsnot vorgehen. Rund eine Million Menschen in der EU sind obdachlos, bezahlbarer Wohnraum ist vielerorts knapp. Eine Empfehlung an die Mitgliedstaaten setzt auf Prävention und den Ausbau von sozialem und bezahlbarem Wohnraum.
Ein dritter Fokus liegt auf der Inklusion von Menschen mit Behinderungen. In der EU leben rund 90 Millionen Menschen mit Einschränkungen, die deutlich seltener erwerbstätig und häufiger von Armut betroffen sind. Geplant sind unter anderem ein EU-weiter Behindertenausweis, mehr barrierefreie Mobilität sowie Investitionen in unterstützende Technologien.
Finanzen: Bestehende Fonds besser nutzen
Statt auf zusätzliche EU-Gelder setzt die Kommission auf die bessere Nutzung bestehender Fonds und auf künftige Haushaltsprioritäten. So fliessen aus dem Europäischen Sozialfonds Plus bereits mehr als 50 Milliarden Euro in soziale Massnahmen. Für den nächsten mehrjährigen EU-Haushalt stellt die Kommission mindestens 100 Milliarden Euro für Sozialpolitik in Aussicht.
Zudem wollen die Europäische Investitionsbank und andere Institutionen Milliardenbeträge in soziale Infrastruktur investieren. Die Vorschläge müssen von den Mitgliedstaaten beraten und teilweise noch verabschiedet werden. (epd/ dst)