Sacharow-Preis

EU ehrt Mahsa Amini posthum

Die Kurdin Jina Mahsa Amini ist posthum mit dem Sacharow-Preis für geistige Freiheit geehrt worden. Ihr Tod vor gut einem Jahr hatte im Iran eine Protest-Bewegung ausgelöst.

Sie ist die Ikone der Freiheitsbewegung im Iran, jetzt ist Mahsa Amini posthum mit dem Sacharow-Preis für geistige Freiheit ausgezeichnet worden. «Jina Mahsa Amini hat ihr Leben für die Freiheit im Iran gegeben», sagte EU-Parlamentspräsidentin Roberta Metsola. «Ihre Stimme wurde um die Welt getragen.» Dies sei der Beginn der Bewegung «Frauen, Leben, Freiheit» gewesen, sagte sie.

Jina Mahsa Amini starb im Alter von 22 Jahren im Polizeigewahrsam, nachdem sie von der sogenannten «Sittenpolizei» verhaftet und geschlagen worden war, weil sie angeblich den Hidschab falsch trug. Ihr Tod löste massive Proteste im Iran aus, bei denen die Frauen an vorderster Front stehen. Sie protestieren gegen das Hidschab-Gesetz und andere diskriminierende Vorschriften. Die feministische Bewegung «Frauen, Leben, Freiheit» im Iran wurde ebenfalls mit dem Sacharow-Menschenrechtspreis ausgezeichnet.

Den Sacharow-Preis nahmen die iranischen Frauenrechtsaktivistinnen Afsoon Najafi und Mersedeh Shahinkar sowie der Anwalt der Familie Amini, Saleh Nikbakht, entgegen. Afsoon Najafi ist Jina Mahsa Aminis Schwester und lebt im Exil. Ihre Eltern und Bruder wurden an der Ausreise aus dem Iran gehindert.

Die beiden Aktivistinnen erinnerten in Strassburg an die etwa 500 getöteten Protestierenden, die Tausenden Inhaftierten und die anhaltende Repression. Parlamentspräsidentin Metsola sagte an sie und die Frauen im Iran gerichtet: «Euer Mut wird siegen, weil Euer Ziel richtig ist.»

Neben Amini und der iranischen Bewegung waren die Menschenrechtlerin Vilma Núñez de Escorcia und Bischof Rolando José Álvarez Lagos aus Nicaragua nominiert sowie drei Frauen, die für einen freien, sicheren und legalen Schwangerschaftsabbruch in Polen, El Salvador und den USA kämpfen.

Der nach dem sowjetischen Physiker und politischen Dissidenten Andrej Sacharow (1921-1989) benannte Preis wird seit 1988 jährlich an Personen und Organisationen verliehen, die sich für Menschenrechte und Grundfreiheiten einsetzen. Die Auszeichnung ist mit 50’000 Euro dotiert. (epd/ no)