Erste öffentliche Gottesdienste in Deutschland nach Corona-Schliessung

Unter strikten Abstandsregeln und Hygienevorschriften feierten die Kirchen in Deutschland am Sonntag erstmals wieder Gottesdienste. Im Kölner Dom versammelten sich über 120 Menschen zur katholischen Messe.


Unter den Teilnehmenden des Gottesdienstes im Kölner Dom waren Mitarbeitende sowie geladene Gäste und Pressevertreter. Zur Messe mit Erzbischof Rainer Maria Woelki waren 122 Personen zugelassen. Es war der erste Gottesdienst seit Beginn der Schliessung wegen der Corona-Pandemie. «Schon jetzt ist es spürbar, wie besonders das physische Miteinander ist», sagte Woelki.

Die Besucher trugen beim Einzug in die Kathedrale einen Mundschutz und nahmen auf markierten Sitzplätzen mit viel Abstand Platz. Während der Kommunion wurde den Gläubigen die Hostie unter einer Plexiglasscheibe gereicht. Die Besucherinnen durften nicht singen, um keine Tröpfchen zu verbreiten. Es sang jedoch ein Chor.

Gottesdienst mit Beinfreiheit

Auch in der evangelischen Antoniterkirche in Köln fand ein erster öffentlicher Gottesdienst statt. An der Feier nahmen 30 Besucher teil, alle mit Mund-Nasen-Schutz. Sie sassen auf Stühlen, die jeweils mit mindestens zwei Metern Abstand im Kirchenraum verteilt waren. «Hier haben Sie mehr Beinfreiheit als in einem Erste-Klasse-Abteil der Bahn», sagte Pfarrer Markus Herzberg.

In seiner Predigt verwies er auf den Gemeinschaftssinn, der gerade in diesen Tagen gefragt sei, die geprägt seien durch Kontaktsperren, Quarantänen und soziale Distanz. Vor allem ältere Menschen litten unter den Besuchsverboten.

Bedford-Strohm appelliert an Gemeinschaft

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Heinrich Bedford-Strohm, zeigte sich im ZDF-Fernsehgottesdienst in der Ingelheimer Saalkirche, der noch ohne Gemeinde stattfand, optimistisch, dass die Menschen in Deutschland gut durch die Corona-Krise kommen. «Ja, wir werden das schaffen. Wir werden zusammenhalten. Gott wird uns die Kraft dazu geben. Und vielleicht werden wir nach dieser Krise als Gemeinschaft stärker sein als vorher», sagte Bedford-Strohm.

Der Kampf gegen die Corona-Pandemie habe das Leben verändert, «egal, wo wir auf der Welt leben», sagte der Ratsvorsitzende weiter. Viele Menschen fühlten neben Dankbarkeit dafür, dass sie die Krise in Deutschland erlebten, auch tiefe Sorge, wie denn alles weitergehen solle und ob es je wieder so werden könne, «wie wir es kannten und liebten».

Religiöse Veranstaltungen in Kirchen, Moscheen und Synagogen waren seit dem 16. März untersagt. Am Donnerstag vergangener Woche hatten Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Regierungschefs der Bundesländer beschlossen, Gottesdienste bundesweit unter Massgaben wieder zu erlauben. Die konkreten Regelungen müssen die Bundesländer umsetzen. (epd/no)