Mittelmeer

Erneut sterben Menschen auf der Überfahrt nach Europa

Bei mehreren Bootsunglücken vor den Küsten Libanons und Tunesiens sind in den vergangenen Tagen mindestens 26 Menschen ertrunken. Unter den Opfern ist auch ein kleines Mädchen.

Vor der Küste Libanons ist am Sonntag ein stark überlastetes Boot mit rund 60 Menschen an Bord bei hohem Wellengang gesunken. Wie die Armee der staatlichen Nachrichtenagentur «NNA» zufolge mitteilte, zogen Einsatzkräfte nach dem Unglück mindestens neun Leichen aus dem Wasser, darunter die eines kleinen Mädchens. Die Armee habe rund 50 Menschen gerettet.

Ein Überlebender warf der Marine vor, das Boot gerammt und es so zum Sinken gebracht zu haben. Marinekommandeur Haitham Dinnaui wies dies zurück und erklärte, das Boot sei nur auf zehn Passagiere ausgelegt gewesen und deshalb gesunken. Der Überlebende sagte, das Leben im Libanon sei «unerträglich» geworden. Das Boot war aus der Hafenstadt Tripolis in See gestochen.

Vor der Küste von Sfax in Tunesien wurden unterdessen die Leichen von mindestens 17 weiteren Migranten entdeckt. Gerichtssprecher Murad al-Turki zufolge waren sie an Bord von insgesamt vier Booten, die in den vergangenen Tagen sanken. Vor der tunesischen Küste rettete die Küstenwache demnach rund 100 Menschen. Der Internationalen Organisation ‎für Migration (IOM) zufolge waren die vier Boote auf dem Weg nach Italien.

Al-Turki sagte der Deutschen Presse-Agentur am Sonntag, der Platz auf den Friedhöfen in Sfax reiche wegen der vielen toten Migranten kaum noch aus. Zudem fehle es an öffentlichen Geldern. Die Leichen würden inzwischen auf Friedhöfe anderer Kommunen verteilt. Aus Quellen im örtlichen Krankenhaus hiess es, rund 50 Leichen von vergangenen Bootsunglücken seien noch in Leichenhallen und nicht beerdigt. (sda/no)