Interkonfessionelles Treffen

EKS-Synode im Zeichen der Ökumene

An der Synode der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz hat sich Bundesrat Ignazio Cassis für den Dialog zwischen Staat und Religionsgemeinschaften ausgesprochen. Einen konkreten Wunsch äusserte EKS-Präsidentin Rita Famos.

Hohe Gäste: Bundesrat Ignazio Cassis und Kurienkardinal Pietro Parolin unterhalten sich an der EKS-Synode im Berner Rathaus mit EKS-Präsidentin Rita Famos. (Bild: EKS/ Nadja Rauscher)

Der erste Tag der Synode der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz (EKS) ist am Montag ganz im Zeichen des Besuchs von Bundesrat Ignazio Cassis und dem vatikanischen Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin gestanden. Die interkonfessionelle Begegnung im  reformierten Kirchenparlament ist nur ein Programmpunkt des zweitägigen Schweiz-Besuchs Parolins. Direkter Anlass der Reise ist das 100-Jahr-Jubiläum der Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen zwischen der Eidgenossenschaft und dem Heiligen Stuhl.

Diese waren 1873 abgebrochen und erst 1920 wiederaufgenommen worden. Einen akkreditierten Botschafter im Vatikan hat die Schweiz indes bis heute nicht. Das soll sich nun ändern. Um die Zusammenarbeit mit dem Heiligen Stuhl zu verstärken, hat der Bundesrat am 1. Oktober beschlossen, eine Schweizer Botschaft im Vatikan zu errichten. Das Vorhaben stiess bei den Reformierten auf Skepsis. So äusserte EKS-Präsidentin Rita Famos im vergangenen Mai in einem Artikel in der «Neuen Zürcher Zeitung» Bedenken, eine Vertretung im Vatikan könne zu einer «konfessionellen Schieflage» führen.

Parolin: «Botschaft dient Wohl des Landes»

Diese Zweifel versuchte Bundesrat Cassis in seinem Grusswort an die Synodalen auszuräumen. Eine Botschaft im Vatikan schliesse die Zusammenarbeit mit anderen Religionsgemeinschaften nicht aus, sagte er. In seiner Rede betonte der Bundesrat, dass der Dialog in der pluralistischen Schweiz von zentraler Bedeutung sei, gerade auch in der Ökumene. «Wir feiern heute auch unser gemeinsames Engagement für geteilte Werte», betonte Cassis.

Neuer GPK-Präsident

Neben dem Besuch von Bundesrat Cassis standen am ersten Tag der EKS-Synode in Bern Wahlgeschäfte auf dem Programm. Für den Rest der Amtsdauer 2019 bis 2022 wurde der Waadtländer Pfarrer Guy Liagre als Präsident der Geschäftsprüfungskommission gewählt. Er ersetzt den bisherigen Präsidenten Johannes Roth. Dieser tritt aufgrund einer Amtszeitbeschränkung zurück. Zudem hätte ein fünftes Mitglied der GPK gewählt werden sollen. Da sich aber niemand zur Verfügung stellte, bleibt dieser Sitz vorläufig vakant. Die GPK soll nun bis zur nächsten Wahl mit lediglich vier Mitgliedern arbeiten. Dieses Vorgehen wurde von der Synode genehmigt. Vervollständigt werden konnte hingegen die Nominationskommission. Die Berner Synodalrätin Judith Pörksen Roder wurde in stiller Wahl gewählt.

Weiter genehmigten die Synodalen für das Jahr 2022 einen ausserordentlichen Beitrag von 420’000 Franken zur Teilfinanzierung der Seelsorge für Asylsuchende in den Bundeszentren. Die Abgeordneten waren sich einig, dass diese Arbeit trotz rückläufiger Asylzahlen weiterhin wichtig ist. Sie sprachen sich einstimmig für den Antrag aus. (no)

Dem schloss sich der Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin an. Die diplomatischen Beziehungen nützten nicht nur der katholischen Kirche, sondern dienten dem Wohl des ganzen Landes, meinte er. Parolin hob hervor, dass die katholische Kirche seit den 1970er Jahren den ökumenischen Dialog pflege. Katholische und reformierte Kirche hätten zudem viele gemeinsame Betätigungsfelder. «Unser Treffen zeigt, dass die ökumenische und diplomatische Arbeit dasselbe Ziel verfolgen, nämlich Einheit, Gerechtigkeit und Frieden.»

Famos fordert kreative Wege

EKS-Präsidentin Rita Famos betonte in ihrer Begrüssung der Gäste, dass die aussenpolitischen Anliegen der Schweiz wie Friedensförderung und nachhaltige Entwicklung auch für die Kirche wichtig seien. Die EKS begrüsse, wenn die bilaterale Zusammenarbeit mit dem Heiligen Stuhl diesem Anliegen diene. Zugleich forderte Famos den Bundesrat dazu auf, die Zusammenarbeit zwischen Staat und Kirchen zu verstärken. «Seien Sie kreativ für neue Wege der Beziehungspflege zwischen Staat, Kirchen und Religionsgemeinschaften, etwa in Gestalt eines formalisierten Austauschs des Bundesrats mit denselben.»

Die EKS-Präsidentin appellierte an den Bundesrat, das Knowhow der Kirchen zu nutzen. Die EKS verfüge durch den Ökumenischen Rat der Kirchen, die Weltgemeinschaft der Reformierten sowie durch die kirchlichen Hilfswerke und Missionen über ein grosse Netzwerk, das die Regierung nutzen könne.

Zur interkonfessionellen Begegnung im Berner Rathaus fanden sich neben Bundesrat Cassis und Kardinalstaatssekretär Parolin zahlreiche weitere Gäste ein. So begrüsste die Versammlung unter anderem als katholische Vertreter Bischof Felix Gmür, Präsident der Schweizer Bischofskonferenz (SBK) und Abt Urban Federer, Verantwortlicher für den ökumenischen Dialog. Die EKS begrüsste darüber hinaus Milan Kostrešević. Dieser richtete ein Grusswort an die Synode. Kostrešević ist seit bald einem Jahr Präsident der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen in der Schweiz (AGCK); die AGCK hat mit ihm den ersten Präsidenten einer orthodoxen Kirche (zum ersten Mal seit ihrem 50-jährigen Bestehen).