EKS: Neue Hinweise auf Grenzverletzungen

Laut Medienberichten geht es bei den Rücktritten in der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz (EKS) um Grenzverletzungen. Sieben Frauen hätten sich an Kirchenvertreter gewandt und von solchen Vorfällen berichtet. Weiterhin sind aber nicht alle Fakten auf dem Tisch.


Allmählich verdichten sich die Hinweise, dass es bei den Rücktritten von Gottfried Locher und Sabine Brändlin aus dem Rat der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz (EKS) um das Thema Grenzverletzungen geht. So berichtete gestern der «Tages-Anzeiger» online von sieben Frauen, die sich mit entsprechenden Erlebnisberichten an verschiedene Kirchenfunktionäre gewandt haben sollen.

Gegenüber ref.ch bestätigt das nun der Aargauer Kirchenratspräsident Christoph Weber-Berg. Bei den Geschichten der Frauen gehe es um Grenzverletzungen psychischer und sexueller Art im kirchlichen Bereich.

Weber-Berg, der Berner Synodalratspräsident Andreas Zeller, die Aargauer Kirchenrätin Catherine Berger und die Bündner Kirchenrätin Miriam Neubert hätten die Erfahrungsberichte der Frauen zur Kenntnis genommen. Ihre Ausführungen seien glaubwürdig gewesen, berichtet Christoph Weber-Berg. Doch weitere Details könne er nicht bekannt geben. Auch zur konkreten Rolle Gottfried Lochers äussert er sich nicht. Für den zurückgetretenen Präsidenten gilt die Unschuldsvermutung.

Anonyme Erfahrungsberichte zum Schutz

Die Namen der Frauen würden nicht veröffentlicht, weil man sie vor Druck und Verleumdung schützen wolle. «Dafür stehen wir öffentlich mit unseren Namen für die Glaubwürdigkeit des Gehörten ein», so Christoph Weber-Berg.

Ob es beim umstrittenen Geschäft der EKS, mit dem Ende April der Rücktritt von Sabine Brändlin begründet wurde (ref.ch berichtete) ebenfalls um Grenzverletzungen geht, kann Christoph Weber-Berg nicht bestätigen. Ein Zusammenhang sei zwar naheliegend, doch er habe keine Informationen aus erster Hand, «der Rat hat nie informiert, nur die Presse spekuliert und Gerüchte machen die Runde.»

Deshalb fordern Christoph Weber-Berg und seine Mitstreiterinnen und Mitstreiter eine «fachkompetente und unabhängige Untersuchung» der Ereignisse und der Berichte der Frauen. Dabei stehe noch gar nicht im Zentrum, ob die Vorwürfe justiziabel seien oder nicht. Vielmehr müsse man untersuchen, ob diese Grenzverletzungen im Widerspruch zu den Leitlinien und Vorgaben der EKS stünden. «Wenn das zutrifft, ist es gravierend», hält Christoph Weber-Berg fest.

«Multiples Organversagen»

Vom verbleibenden EKS-Rat erwartet Weber-Berg im Moment keine genügende Aufklärungsarbeit. Er spricht gar von einem «multiplen Organversagen». Es gebe kein erkennbares Krisenmanagement, keine Krisenkommunikation, sondern nur unzureichende Versuche einer unabhängigen Untersuchung. «Es scheint, als würde der Rat versuchen, sich ohne eine wirklich umfassende Klärung aus der Affäre zu ziehen.» (mos)