EKS: Alle Augen sind auf die Synode gerichtet

Es dürfte die wichtigste Zusammenkunft sein, welche die Reformierten in jüngerer Zeit erlebt haben: Kommenden Montag debattieren die Delegierten der Kantonalkirchen die Hintergründe von Gottfried Lochers Rücktritt. Dem Rat droht in diesem Zusammenhang die Rückweisung mehrerer Geschäfte.

Trotz voller Traktandenliste dürfte am Montag ein Thema die Debatte bestimmen: Der Rücktritt von Gottfried Locher. (Bild: EKS / Nadja Rauscher)

Zum ersten Mal tagt am 15. Juni die Synode der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz (EKS). Wichtige Traktanden stehen auf der Tagesordnung, so etwa die künftigen Handlungsfelder der Anfang Jahr aus dem Kirchenbund hervorgegangenen Organisation oder die Fusion der beiden Hilfswerke Heks und Brot für alle (Bfa). Tatsächlich jedoch dürfte die historische Zusammenkunft von einem einzigen Thema dominiert werden: Den Ereignissen um die Demission von Gottfried Locher.

Locher war als Präsident der EKS zurückgetreten, nachdem Vorwürfe im Zusammenhang mit Grenzverletzungen öffentlich geworden waren. Worum es genau geht und welche Rolle Locher und der Rat der EKS dabei gespielt haben, ist aber nach wie vor nicht bekannt. Eine Tatsache, an der sich mehrere Synodale stören. «Ich erhoffe mir, dass am Montag endlich Klarheit in die Angelegenheit kommt», sagt beispielsweise der Appenzeller Delegierte Lars Syring. Laut Syring, der zusammen mit anderen Kirchenvertretern in einem offenen Brief Transparenz von der EKS gefordert hat, habe die «bisherige Nicht-Kommunikation unnötig viel Zwietracht gesät».

Geschäfte sollen zurückgewiesen werden

In die gleiche Kerbe schlägt auch der Zürcher Kirchenratspräsident Michel Müller. «Sowohl der Rat als auch die GPK müssen jetzt Vertrauen zurückgewinnen. Dafür haben sie nur eine Chance: Klare und transparente Information.»

Für Müller ist klar, dass die Causa prioritär behandelt werden muss. Mit Ausnahme der Fusion von Heks und Bfa müssten daher alle anderen Geschäfte hintangestellt oder gar zurückgewiesen werden – auch weil sie noch die Handschrift des abgetretenen Präsidenten trügen. «Unter diesen Umständen sollten wir weder Handlungsfelder festlegen noch die Rechnung 2019 genehmigen.» Denn mit letzterem würde dem Rat die Décharge erteilt; ein Fehler in dieser unklaren Lage, meint Müller.

«Recht auf Anonymität»

Skeptisch steht den traktandierten Ratsgeschäften auch die Bünder Synodale Miriam Neubert gegenüber. Den Rechenschaftsbericht etwa, der explizit auch das Thema Grenzverletzungen ausführt, könne sie nicht absegnen. «Der Rat der EKS handelt nicht nach den Grundsätzen, die er selbst in diesem Bericht umreisst und auf der Website breit kommuniziert», sagt Neubert. Sie hofft auf eine professionelle Aufarbeitung und Diskussion des Themas, gemäss den Empfehlungen entsprechender Fachstellen. Dazu gehöre auch, dass keine Konfrontation mit den betroffenen Frauen gefordert werde. «Sie haben ein Recht auf Anonymität und müssen von uns geschützt werden.»

Anders als bisher kommuniziert, findet die Synode der EKS nicht virtuell, sondern in Anwesenheit der Delegierten in Bern statt. Es dürfte die wichtigste Versammlung werden, welche die Schweizer Reformierten in jüngerer Zeit erlebt haben.