«Ein wichtiger Schritt zu mehr Prävention»

Die Mitgliedkirchen wollen das Konkordat zur Pfarrausbildung überarbeiten. Was trocken klingt, ist nicht unumstritten: Erstmals dürfen die Kirchen nun sensible Personendaten untereinander austauschen. Thomas Schaufelberger vom Konkordat erklärt im Interview, warum dies nötig ist.

Thomas Schaufelberger, Leiter der Pfarrausbildung beim Konkordat der reformierten Kirchen in der Deutschschweiz.
Thomas Schaufelberger, Leiter der Pfarrausbildung beim Konkordat der reformierten Kirchen in der Deutschschweiz. (Bild: zVg)

Herr Schaufelberger, ab 1. Januar 2019 sollen die Landeskirchen des Konkordats Informationen über Pfarrpersonen untereinander austauschen dürfen. Worum geht es da?
Bisher war der Austausch von bestimmten Personaldaten zwischen Landeskirchen aus Datenschutzgründen verboten. Wenn ein Pfarrer in einem nicht strafbaren Bereich ein problematisches Verhalten gezeigt hat, dann durften diese Informationen nicht weitergegeben werden. Kam es zum Beispiel in einer Landeskirche zu sexuellen Übergriffen, dann konnte der Täter einfach anderswo weiterarbeiten.

Warum wird das jetzt geändert?
Es gab auch schon früher Forderungen, den Informationsaustausch zwischen den Landeskirchen auszuweiten. Das Problem war aber, dass eine rechtliche Struktur fehlte, die über die Landeskirchen hinaus verbindlich ist. Eine solche nationale rechtliche Struktur gibt es nur im Kirchenbund oder eben im Konkordat. Die Teilrevision des Konkordats zur Pfarrausbildung war deshalb eine günstige Gelegenheit, um die notwendige Rechtsgrundlage zu schaffen.

Über welche Vergehen von Pfarrpersonen wollen die Landeskirchen künftig Informationen austauschen?
Die neue Regelung betrifft vor allem Grenzverletzungen, also Formen des sexuellen Missbrauchs, die nicht zur Anzeige gebracht wurden und deshalb auch nicht im Strafregisterauszug erscheinen. Es kann aber zum Beispiel auch um betrügerische Aktivitäten gehen, für die kein Eintrag vorliegt. Wichtig ist: Es dürfen nur Informationen ausgetauscht werden, welche die Eignung zum Pfarrberuf betreffen.

In der Thurgauer Synode wurde vor einem missbräuchlichen Austausch sensibler Daten  gewarnt. Wie soll verhindert werden, dass beispielsweise Bewerber abgelehnt werden, weil sie politisch nicht genehm sind?
Die Bedingungen für den Informationsaustausch sind klar und die Regeln transparent. Zunächst braucht es eine vorgängige Information der betroffenen Person. Als zweites muss die Information im Rahmen eines formellen Berichts geschehen, also nicht einfach im Rahmen eines informellen Telefongesprächs. Schliesslich müssen die schutzwürdigen Interessen der betreffenden Personen und Dritter beachtet werden.

Die Landeskirchen dürfen also künftig bei einem Stellenwechsel eines Pfarrers in einen anderen Kanton Informationen einholen. Gibt es noch andere Szenarien?
Ja, läuft zum Beispiel ein Verfahren zum Entzug der Wahlfähigkeit eines Pfarrers, darf die Landeskirche künftig bei seinem früheren Arbeitgeber nachfragen. Ebenso wenn eine Empfehlung für das Vikariat ausgesprochen werden soll und bekannt ist, dass eine solche in der Vergangenheit bereits einmal abgelehnt wurde.

Wir sprechen hier von Vergehen, die nicht im Strafregister stehen. Auf welcher Grundlage soll eine Landeskirche entscheiden, ob sie Informationen über einen Bewerber einholt?
Das Konkordat hat die Rechtsgrundlage geschaffen. Wie das nun praktisch umgesetzt wird, müssen die Landeskirchen entscheiden. Die Frage wird sein: Soll man Informationen standardmässig einholen oder nur auf einen Verdacht hin?

Ist es nicht problematisch, sich nur auf einen Verdacht zu stützen?
Das ist sicher ein Punkt, den man in die Überlegungen einbeziehen muss. Ich könnte mir vorstellen, dass sich viele Landeskirchen für ein standardmässiges Verfahren entscheiden.

Glauben Sie, die Täter lassen sich von einer solchen Regelung abschrecken?
Ich bin überzeugt, dass der Informationsaustausch eine abschreckende Wirkung auf die Täter hat. Er ist ein klares Signal. Die Präventionsarbeit ist damit aber nicht erschöpft. Genauso wichtig ist es, die Kirchgemeinden weiter auf das Thema zu sensibilisieren.