Ein Podcast erzählt die Bibel

Sabine Rückert berichtet sonst in einem Podcast von Kriminalfällen. Nun hat sie ein neues Projekt. Gemeinsam mit ihrer Schwester, einer evangelischen Theologin, will sie die Bibel von Anfang bis Ende erzählen.


Die Idee zum Podcast kam ihr, als sie zu Gast in der Satire-Sendung Neo Magazin Royale von Jan Böhmermann war, erzählt Sabine Rückert, stellvertretende Chefredaktorin der Zeit. Dort habe sie Lücken im Bibelwissen des Moderators feststellen müssen – und noch in der Sendung «spasseshalber» die Idee für einen Bibel-Podcast angekündigt. Sie habe daraufhin viele positive Reaktionen erhalten – gerade von Menschen, die weder getauft noch in der Kirche sind, sagte Rückert. Viele Leute wüssten nicht, was in der Bibel steht, würden sich aber gerne besser damit auskennen.

«Für eine Nation, die sich dem christlichen Abendland zurechnet, ist das ein ernüchterndes Ergebnis», so Rückert. Die Bibel sei für viele eher sperrig zu lesen oder sie werde über die Kirche recht langweilig verkündet. «Da setzen wir an», sagt sie.

«Christliches Erbe ist wie ein Wohnhaus»

Die Kindheit als Pfarrerstochter habe sie für ihr ganzes Leben geprägt. «Das Pfarrhaus ist die Wurzel von allem», findet Rückert. «Entscheidungen treffe ich bis heute auf der Grundlage meiner Erziehung.» Sie habe einen christlichen Wertekatalog mitbekommen, der sie durchs Leben begleite.

Als Erwachsene habe sie ihn zwar überarbeitet, «aber das ändert nichts daran, dass das Haus nach wie vor steht, auch wenn man das eine oder andere Zimmer umgestaltet. Das Haus, in dem ich wohne, ist dieses Erbe, und meine Schwester wohnt auch mit drin.» Die Schwester, Johanna Haberer, ist Professorin für Christliche Publizistik in Erlangen. Von 1997 bis 2001 war die Theologin Rundfunkbeauftragte des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland.

«Die Kirche muss sich selber retten»

Im Verkündigungsdienst sehen sich Rückert und ihre Schwester mit dem Podcast nicht. «Wir wollen die Bibel als Werk der Literatur erzählen, aber wir sind kein Kirchenfunk. Wir wollen niemanden bekehren oder belehren», sagt Rückert. «Die Kirche muss sich selber retten. Sie ist immer so gut und lebendig, wie die Leute, die sie personifizieren und vertreten. Und deswegen hat sie auch so viele verschiedene Gesichter.»

Die ersten sechs Folgen sind laut Rückert aufgezeichnet. Sie erscheinen im zweiwöchigen Rhythmus immer freitags. (epd/mos)