Herr Pugatsch, das Apartmenthotel «Paradies» in Arosa hat ein Plakat mit folgender Botschaft aufgehängt: «An unsere jüdischen Gäste – Frauen, Männer und Kinder: Bitte duschen Sie vor und nach dem Schwimmen in unserem Schwimmbad. Tun Sie das nicht, bin ich gezwungen, das Schwimmbad für Sie zu schliessen». Was hat das mit Ihnen gemacht, als Sie davon erfuhren?
Ich war schockiert und konnte über den Mangel an Sensibilität nur staunen. Die Plakate, die sich ausschliesslich an Juden wenden, sind ganz klar diskriminierend und inakzeptabel.
Ist das ein Einzelfall oder nehmen antisemitische und diskriminierende Handlungen gegen jüdische Menschen generell zu?
Jedes Ereignis muss zunächst einzeln für sich betrachtet werden. Wir führen zusammen mit dem Schweizerischer Israelitischer Gemeindebund eine Chronologie rassistischer und judenfeindlicher Vorfälle.
Und was lässt sich daraus lesen?
Wir beobachten im Zusammenhang mit antisemitischen Vorfällen zunehmend einen Mangel an Sensibilität. Der Fall Arosa ist dafür leider ein gutes Beispiel. Dass jemand Juden explizit zum Duschen auffordert, ist im geschichtlichen Zusammenhang über das allgemeine Diskriminierungsverbot hinaus absolut inakzeptabel.
Reicht denn die Rassismus-Strafnorm, um Antisemitismus in der Schweiz zu bekämpfen?
Sie ist ein wichtiger Baustein, daneben braucht es aber auch Präventions- und Sensibilisierungsarbeit in der Öffentlichkeit, etwa in Schulen und anderen Institutionen. Es geht darum, bereits jungen Menschen einen nichtdiskriminierenden Umgang mit Minderheiten beizubringen. (su)
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