Die «Ehe für alle» wird an der Urne voraussichtlich angenommen
Lesbische und schwule Paare dürfen sich freuen: Aller Voraussicht nach dürfen sie künftig auf dem Zivilstandesamt heiraten. Sie werden damit Ehepaaren gleichgestellt. Fast 70 Prozent der Schweizer Stimmberechtigten sagen Ja zur «Ehe für alle», über die am 26. September 2021 abgestimmt wird. Das geht aus der ersten SRG-Trendumfrage hervor, die das Meinungsforschungsinstitut «gfs.bern» durchgeführt hat und die am 20. August veröffentlicht worden ist.
Abgelehnt wird die «Ehe für alle» laut «gfs.bern» vor allem bei Angehörigen Christlicher Freikirchen sowie in der SVP-Wählerschaft. Im Tessin ist der Nein-Anteil höher als in den anderen Schweizer Landesteilen. Die Bevölkerung in der Stadt und auf dem Land dagegen sagen gleichermassen Ja.
Rund 55 Prozent aller Befragten sind «bestimmt dafür», was bereits einer Mehrheit entspricht. 14 Prozent sind laut der Umfrage «eher dafür». Im Lager der Gegner sind rund 20 Prozent «bestimmt gegen» die Vorlage, und 9 Prozent «eher dagegen».
Strittiger Punkt
Die Befragten seien der Ansicht, die «Ehe für alle» sei ein «überfälliger Schritt» in Sachen Gleichstellung, und die Fürsorge und Zuwendung innerhalb einer Familie sei keine Frage der Familienform. Die befragten Gegner argumentieren, einzig die Verbindung zwischen Mann und Frau habe die Fähigkeit, Leben weiterzugeben. Diese Verbindung müsse geschützt werden.
Die Chancen einer Annahme seien intakt, ganz ausgeschlossen werden könne eine Ablehnung aber noch nicht, schreiben die Meinungsforscher. Eine komplette Trendumkehr sei zwar unwahrscheinlich. Es gibt bei der «Ehe für alle» jedoch einen strittigen Punkt, und zwar die Kinderfrage. Die Vorlage ist nämlich geknüpft an die Bedingung, das lesbische Paare künftig Zugang haben zur Samenspende und somit Kinder bekommen können.
Zweite Vorlage wohl chancenlos
Die konservativen und evangelikalen Wählerinnen und Wähler sind der Grund dafür, dass es überhaupt zu einer Volksabstimmung kommt. Denn der Bundesrat und das Parlament hatten sich für die «Ehe für alle» ausgesprochen. Die eidgenössischen Räte in Bern hatten die Vorlage im Dezember 2020 verabschiedet. Sowohl der Stände-, als auch der Nationalrat sagten beide deutlich Ja und gaben grünes Licht für die Heirat Homosexueller.
Ein überparteiliches Komitee, dass sich vor allem aus Vertretern der eidgenössisch-demokratischen Union (EDU) und der SVP zusammensetzte, ergriff dagegen das Referendum.
Die zweite Vorlage, die Juso-Initiative, dürfte chancenlos bleiben. Sie will Kapital künftig anders besteuern, die Zustimmung liegt gerade einmal bei 46 Prozent. Der Nein-Anteil beläuft sich auf 45 Prozent, und 9 Prozent haben sich noch nicht entschieden, wie sie abstimmen werden.