Krieg in der Ukraine

Die Bombe wartet im Boden

Russlands Krieg in der Ukraine zerstört nicht nur Kraftwerke und Häuser. Riesige Gebiete sind mit Minen und Blindgängern belastet. Freiwillige lassen sich zu Minenräumern ausbilden.

Im ukrainischen Mykolaiv lernen junge Freiwillige wie man Minen findet und unschädlich macht. (Bild: The HALO Trust/Welt ohne Minen)

«Wir kämpfen mit der Angst», sagt der Ukrainer Jaroslav über die Arbeit mit Landminen, der verborgenen Todesgefahr. Der 24-jährige Student ist einer von 35 Teilnehmenden am zweiten Kurs im Demining Training Center nahe Mykolaiv im Süden der Ukraine.

Das Schulungszentrum liegt in einer ehemaligen Ferienanlage. Die friedliche Atmosphäre täuscht. Im Schulungsraum hängen schematische Darstellungen und Fotos aller möglichen Minen an den Wänden: Personenminen, Panzerminen, weitere Landminen, Seeminen. Im Gelände stehen rot-weisse Pfähle mit Schildern, die vor Minen warnen.

Trainiert werden die jungen Teilnehmenden von Mitarbeitern der DCA. DanChurchAid (DCA) ist eine christliche Hilfsorganisation aus der dänischen Hauptstadt Kopenhagen. Sie wurde 1922 gegründet und ist in der Dänischen Nationalen Evangelisch-Lutherischen Kirche verwurzelt. Die DCA hat sich auf Minenräumung in Krisengebieten spezialisiert.

Gut die Hälfte der Teilnehmenden sind junge Frauen. Einer ihrer Ausbilder ist der 43-jährige Anders aus Kopenhagen, der 2002 beim dänischen Militär mit der Minenräumung begonnen hat. Er war seither schon im Irak, in Afghanistan, in Somalia und in Mali. «80 Prozent der Arbeit beim Demining ist die Suche nach Informationen, etwa aus militärischen Quellen oder von Einheimischen», sagt Anders.

Nach der Ausbildung wird es ernst

Ein paar Kilometer entfernt wartet auf einige der früheren Kursteilnehmer die erste Bewährungsprobe. Ein Feld mit einer Fläche von einem Quadratkilometer soll auf nicht explodierte Geschosse und andere Munition überprüft werden. An diesem ersten Tag Mitte Juni wird das Terrain abgesteckt, einen Kilometer lang, einen Kilometer breit.

Auf dem Nachbarfeld wachsen Sonnenblumen. Dort sind in den ersten Kriegsmonaten im Frühjahr 2022 zwei Raketen eingeschlagen und nicht explodiert, so wie schätzungsweise 15 Prozent der abgefeuerten Munition insgesamt. Der Bauer bestellt sein Feld um die Raketen herum. Sein Nachbar hingegen hat aus Angst sein Feld seit zwei Jahren nicht mehr gepflügt.

Vermintes Gebiet viermal so gross wie die Schweiz

 «Minen werden hier kaum zu finden sein», ist sich der leitende DCA-Mitarbeiter vor Ort sicher. Aber vielleicht nicht explodierte Geschosse der Kämpfe vom Frühjahr 2022, als Mykolaiv mitten im Kampfgeschehen lag. Etwa 50 Tage wird es dauern, bis das ganze Gebiet Meter für Meter, Quadrat für Quadrat abgesucht ist.

Dabei ist das Feld bei Mykolaiv nur ein winziger Bruchteil der mit Minen verseuchten Fläche in der Ukraine. Experten schätzen, dass das kontaminierte Territorium in der Ukraine etwa viermal so gross wie die Schweiz ist. Minen werden das Land noch jahrzehntelang beschäftigen. (epd/ dst)