Ausstellung

Die Bibel im Postkartenformat

Der Basler Kupferstecher Matthäus Merian der Ältere wurde vor allem durch seine präzisen Stadtansichten bekannt. Seine Darstellungen biblischer Szenen gerieten hingegen in Vergessenheit. Sie faszinieren noch heute mit ihrem Detailreichtum.

Esel und Kamele schleppen Ziegel herbei, aus den Öfen steigt Rauch, Steinmetze bearbeiten die Quader, und mitten im Bild ragt der Turm auf. Die bekannte biblische Szene vom Turmbau von Babel wurde im 17. Jahrhundert in Kupfer gestochen. Ihr Schöpfer war einer der bekanntesten Künstler der damaligen Zeit: der Basler Matthäus Merian.

Insgesamt 233 solcher Radierungen mit biblischen Motiven fertigte Merian an. Mit ihnen wurde die sogenannte Merian-Bibel bebildert, aber auch viele weitere Bibel-Ausgaben. Die Motive waren so populär, dass sie über die Jahrhunderte hinweg vielfach kopiert wurden – etwa auf Ofenplatten, Wandfliesen oder Tabakdosen.

Mit der Zeit gerieten die «Icones Biblicae» jedoch in Vergessenheit, und auch die Druckplatten galten lange als verschollen. Erst 1958 tauchte ein Grossteil der originalen Platten auf dem Dachboden eines Amsterdamer Verlags wieder auf. Eine Ausstellung im Basler Münster erinnert nun an diese produktive Schaffensphase im Leben Merians.

Geboren wurde Matthäus Merian 1593 als Sohn einer vornehmen Basler Familie. Schon in jungen Jahren reiste er viel herum: In Zürich lernte er das Kupferstechen, später zog es ihn nach Frankreich und in die Niederlande. Kurz vor Ausbruch des Dreissigjährigen Krieges kam Merian nach Frankfurt am Main, wo er für den Kupferstecher Johann Theodor de Bry arbeitete. Er heiratete dessen Tochter und sollte später sein Verlagshaus übernehmen.

Besondere Aufmerksamkeit erregte Merian mit seinen detailgetreuen Stadtansichten und Karten. Bereits als 22-Jähriger stellte er einen Vogelschauansicht von Basel her. Merian zeichnete den Plan zuerst und stach ihn danach in Kupfer.

1624 siedelte Merian mit seiner Familie endgültig nach Frankfurt über, um das Geschäft seines Schwiegervaters zu übernehmen. Schon im Jahr darauf erschien der erste Band seiner Bibelillustrationen. Die Radierungen faszinieren noch heute durch ihre Detailfülle. Auf der Darstellung der Arche Noah betreten die verschiedenen Tierarten paarweise das Schiff. Zu erkennen sind unter anderem Elefanten, Hasen, Hirsche, aber auch ein Einhorn-Paar.

Merian hatte ein Gespür für Dramatik – Gewaltszenen, etwa in der Darstellung der Apokalypse, kamen häufig vor. In den gedruckten Bänden wurden die Bilder mit Bibelversen ergänzt, im Mittelpunkt sollten aber die Illustrationen selbst stehen. Merian erhoffte sich, dass sie bei den Betrachtenden zur «ergetzung» und «gottesforcht» beitrugen.

Beim Radieren kam ein kompliziertes Verfahren zur Anwendung. Zunächst wurden die Kupferplatten mit einer säureabweisenden Mischung aus Wachs, Harz und Asphalt überzogen. In diese Schicht ritzte der Künstler das spiegelverkehrte Motiv mit einer Nadel. Danach kam die Platte in ein Säurebad, das die freigelegten Linien ins Kupfer ätzte. Die Vertiefungen wurden nun schwarz eingefärbt und die Platte war für die Druckerpresse bereit.

Auf diese Weise gelang es Merian, ganze Bildwelten auf Postkartengrösse zu bringen. In der Darstellung zu Jona und dem Wal sind alle wichtigen Episoden dieser Geschichte vereint: Jonas Flucht, das Gewitter, der heranschwimmende Wal, der Jona verschlingt und ihn schliesslich wieder ausspuckt.

Die «Icones Biblicae» waren auch ökonomisch ein Erfolg – von den ersten Bänden verkaufte Merian mehrere Auflagen, sodass er weitere Folgen veröffentlichen konnte. In den Jahren darauf schuf er viele weitere Meisterwerke, darunter eine Sammlung von über 2000 Stadtansichten aus dem Heiligen Römischen Reich. Matthäus Merian starb 1650 im Alter von 57 Jahren.

(Fotos: Basil Huwyler / Sammlung Christoph Ramstein / Wikimedia Commons)

Die Ausstellung «iconic!» im Basel Münster läuft noch bis zum 16. November. Sie hat jeweils Freitag, Samstag und Sonntag während der Öffnungszeiten des Münsters geöffnet.

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