Von Buch bis Podcast

Die besten Tipps für Corona-konforme Weihnachten

«Alle Jahre wieder» trifft für Weihnachten 2020 definitiv nicht zu. Doch dass nun vielerorts anders gefeiert werden muss, bietet auch Chancen – um virtuell ein Museum in Übersee zu besuchen oder endlich den Podcast zu hören, den man schon lange beginnen wollte. Die Redaktion hat die besten Tipps fürs Zu-Hause-Bleiben zusammengetragen.

Weihnachten feiern geht auch Corona-konform. (Bild: Keystone / Georgios Kefalas)

Für Traditionelle

Die gute Nachricht zuerst: Auch in diesem Jahr muss nicht auf Gottesdienste verzichtet werden. Viele Kirchgemeinden bieten über die Weihnachtstage Feiern im kleinen Rahmen an, die ein Einhalten der Schutzbestimmungen ermöglichen, oder verlegen ihre Anlässe gleich ins Freie.

Wer ganz auf Nummer sicher gehen möchte, schaltet bei einem der zahlreichen Fernseh-Gottesdienste ein, die dieses Jahr sowohl bei den Lokal- wie auch den überregionalen Sendern auf dem Programm stehen. Ein Highlight dürfte hier der Familiengottesdienst mit Weihnachtsspiel «De Himmel chunnt uf d Erde» des Musikers Andrew Bond sein. Der Anlass wurde 2017 in der Stadtkirche Aarau aufgenommen und wird an diesem Heiligabend erneut ausgestrahlt.

Donnerstag, 24. Dezember, 17:05 Uhr auf SRF 1.

Dieses Urbi et Orbi ging um die Welt: Papst Franziskus praktisch alleine im Petersdom, der Platz vor der Kirche wie leergefegt, an Ostern 2020 und damit mitten in der ersten Welle der Coronapandemie. Die Bilder berührten, Katholiken wie Protestanten und wohl viele andere gleichermassen. Nun muss auch das Weihnachtsprogramm des Papstes der epidemiologischen Lage angepasst werden; so wird etwa die Christmette wegen einer Ausgangssperre ab 22 Uhr auf den frühen Abend vorgezogen. Am traditionellen Segen um die Mittagszeit des ersten Weihnachtstages will Franziskus jedoch festhalten.

Freitag, 25. Dezember, Live-Übertragung aus Rom,
12:00 Uhr auf SRF 1.

Wer lieber nur zuhören mag, hat am ersten Weihnachtstag die Wahl zwischen einer Schweizer Radiopredigt mit Volker Eschmann (römisch-katholisch) und Katrin Kusmierz (evangelisch-reformiert) oder dem Evangelischen Gottesdienst aus der Dorfkirche Drevenack in Hünxe, Deutschland.

Freitag, 25. Dezember, 10:00 Uhr auf SRF 2 Kultur und SRF Musikwelle;
10:05 Uhr auf Deutschlandfunk.

Für Kulturinteressierte

Kulturelle Anlässe sind gerade Mangelware – zumindest in analoger Form. Zahlreiche Institutionen haben jedoch kreativ auf die Restriktionen reagiert und spezielle Programme geschaffen, die sich von zu Hause aus verfolgen lassen. Mit diesen drei zusätzlichen Tipps sollten auch Kulturinteressierte gut über diese Feiertage kommen.

Musik gehört an Weihnachten dazu, und wenn man schon nicht selber singen darf, dann kann man wenigstens zuhören. Zum Beispiel beim Weihnachtskonzert, das die drei Tenöre am Vorabend des Weihnachtsfestes 1999 in Wien gaben. Bei diesem denkwürdigen Anlass interpretierten Plácido Domingo, Luciano Pavarotti und José Carreras gar nicht mal so klassische Stücke wie etwa «Stille Nacht», «White Christmas» oder «Feliz Navidad».

Donnerstag, 24. Dezember, 20:15 Uhr auf 3sat.

Wer ins Museum will, braucht dafür schon länger nicht mehr vor die Tür zu gehen – vom Guggenheim in New York bis zum Musée d’Orsay in Paris bieten zahlreiche Institutionen die Möglichkeit, ihre Schauen virtuell zu besuchen. Eine interessante Mischung aus religiösen Artefakten, Münzen, Kunst- und Alltagsgegenständen bietet das British Museum. User können sich auf einem Zeitstrahl vor- und zurückbewegen, nach Region oder Themenbereich filtern und Gegenstände ihres Interesses für weitere Informationen anklicken. Es lohnt sich, diese etwas ruhigeren Festtage für einen Besuch zu nutzen.

Die virtuelle Tour beginnt hier.

Was hat der Song «Santa Baby» mit ungleich verteilter Sorgearbeit zu tun? Und warum besingen selbst Menschen, die sich längst von bürgerlichen Idealen gelöst zu haben meinen, im Advent das traute Familienglück? Die deutsche Literaturwissenschaftlerin Berit Glanz geht diesen Fragen in ihrem Essay «Sound of Christmas – Weihnachtslieder und ihre kulturelle Funktion» nach. Weihnachtliches Literaturfeuilleton im Netz – lesenswert.

Für Junge und Junggebliebene

Was könnte man dieser Zielgruppe eigentlich nicht empfehlen? Das Angebot aus Filmen, Serien und Podcasts ist gerade zu Weihnachten gross. Drei Highlights seien dennoch hervorgehoben.

Anstossen und dabei über das Montagstief plaudern – das tun Anna Manon Schimmel und Anne Helene Kratzert jeweils am Montagabend live auf Instagram. Beide sind Pfarrerinnen in der Badischen Landeskirche und haben ihr noch recht junges Format passenderweise «Prost Gott» getauft. In den Gesprächen geht es zum Beispiel um die Weihnachtsvorbereitungen in diesem turbulenten Jahr 2020, Maria und ihr Special-Needs-Kind oder Tindermatches. Die Tonqualität mag zwar noch Luft nach oben haben, dafür hat man aber beim Zuschauen das Gefühl eines Videochats mit guten Freundinnen. Über die Feiertage wollen die beiden pausieren; in dieser Zeit lassen sich die bisherigen Gespräche nachhören.

Zu finden auf Instagram unter @annamanonschimmel und @a_ha_ka.

«Kevin allein zu Haus» war der Weihnachtsfilm einer ganzen Generation. Aus Erwachsenensicht mag die Story zwar reichlich klamaukig scheinen. Doch gibt es in dieser Jahreszeit etwas Schöneres als noch einmal ein bisschen Kind zu sein? Als die Erinnerung an diese gemütlichen Weihnachtstage voller Müssiggang, wo man morgens mit den neuen Geschenken spielte und nachmittags mit einem Film belohnt wurde, in dem ein kleiner Junge zwei Bösewichte mit zerstampften Christbaumkugeln und einem Bügeleisen besiegt? Pluspunkt: Im Sequel «Kevin allein in New York» werden Zuschauer mit Bildern aus der Metropole belohnt, die in ihrem ganzen, so typisch amerikanischen Glitzer-Glamour erstrahlt.

Donnerstag, 24. Dezember, und Freitag, 25. Dezember,
jeweils 20:15 Uhr auf Sat1.

Zu einer Zeit, als man noch kaum öffentlich über Sexualität sprach, wurde die Radiosendung «Sexually Speaking» in den USA zum Überraschungserfolg. Das lag vor allem an ihrem Host: Dr. Ruth Westheimer, die das Thema ohne Berührungsängste und mit viel Humor anpackte. Doch das Leben der 1928 in Deutschland geborenen Jüdin war nicht immer einfach. Der etwas andere Weihnachtsfilm – berührend, witzig, fesselnd.

«Ask Dr. Ruth» auf der Streamingplattform Filmingo.

Für die ganze Familie

Gerade weil die Feiern vielerorts auf die Kernfamilie beschränkt sind, braucht es dafür ein gutes Programm – Eltern mit kleinen Kindern wissen das.

Im Frühling und damit mitten im Lockdown haben die beiden Pfarrerinnen Mirja Zimmermann-Oswald und Priscilla Schwendimann den grössten Online-Gottesdienst der Schweiz auf die Beine gestellt. Nun geht das Projekt #churchunited in die zweite Runde. Beteiligt sind diesmal mehr als 20 Pfarrpersonen und über 80 Kirchenmitglieder aus der ganzen Schweiz. Es wird gesungen, gebetet, musiziert – über alle Frömmigkeitsstile und sprachlichen Grenzen hinweg. «Weihnachten ist nicht abgesagt. Wir feiern trotzdem. Örtlich getrennt, im Glauben verbunden», sagt Zimmermann-Oswald zum Gedanken hinter dem Online-Gottesdienst. Der Gottesdienst wird rund 35 Minuten dauern und kann darum auch gut mit Kindern geschaut werden.

Das Projekt läuft unter dem Dach der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz (EKS). Der Trailer ist hier einsehbar. Unter dem gleichen Link wird ab 24. Dezember auch der Gottesdienst zu finden sein.

Der Dezember ist der Monat des Geschichtenerzählens. Und eine Geschichte, die besonders gut zu Weihnachten passt, ist Charles Dickens’ «A Christmas Carol». Dank Apps und Streamingportalen müssen Eltern jedoch keine müde Mundmuskulatur mehr befürchten, sondern können dem Hörspiel gemeinsam mit ihren Kindern lauschen. Unkompliziert geht das über die ARD Audiothek, wo die Erzählung von Ebenezer Scrooge und den Geistern der Weihnacht in zwei Episoden, ergänzt mit Musik und einem Gespräch am Ende, zu finden ist.

Seit Mitte der 60er-Jahre illustriert Kees de Kort biblische Geschichten. Seine ausdrucksstarken Darstellungen haben tausende Sonntagsschüler begleitet und sind heute aus dem christlichen Bilderkosmos kaum mehr wegzudenken, wie das bref Magazin in seiner aktuellen Titelgeschichte über den niederländischen Künstler schreibt. Jetzt, wo die Feiern vielerorts kleiner und ruhiger ausfallen, ist ein guter Zeitpunkt, in de Korts Kinderbibel zu blättern. Sie wurde in 70 Sprachen übersetzt und verkaufte sich weltweit über 10 Millionen Mal – ein Bestseller für Kinder wie Erwachsene.

«Bibelbilderbuch – Kees de Kort.» Jubiläumsausgabe des Klassikers der Kinderbibel, mit Texten von Hellmut Lang. Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart 2019; 686 Seiten; 102 Franken.

Für Distanzierte

An Weihnachten besuchen auch Menschen den Gottesdienst, die sonst nicht viel mit Kirche anfangen können. Weil dies 2020 aber nur schwer möglich und eine Übertragung im Fernsehen dann vielleicht doch nicht ganz das Richtige ist, kommen hier drei Tipps für Distanzierte.

Ein Bibel-Podcast, der nicht nur Kirchen-Insider begeistert? Den beiden Schwestern Sabine Rückert, stellvertretende Chefredakteurin der «Zeit», und Johanna Haberer, Professorin für Praktische Theologie, ist dieses Kunststück gelungen. Seit seiner Lancierung ist «Unter Pfarrerstöchtern» jeweils in den Top 100 der Podcast-Charts zu finden – noch vor den True-Crime-Formaten von «Stern» und «Geo» oder dem «Michelle-Obama-Podcast». Aktuell beschäftigen sich die Macherinnen gerade mit Mose; für Weihnachten planen sie jedoch eine Extra-Folge mit dem Titel «Die Errettung des Kindes».

Zu finden überall, wo es Podcasts gibt, oder auf der Seite von Zeit Online.

Reisen ins Ausland waren in diesem Jahr kompliziert, mit Unsicherheiten verbunden oder mussten sogar ganz abgesagt werden. Gut, dass die heutige Technik auch virtuelle Sightseeing-Touren ermöglicht. Eine besonders aufwändige führt durch die Grabeskirche in Jerusalem, die an der überlieferten Stelle von Jesu Kreuzigung und Grab steht und zu den wichtigsten Heiligtümern der Christenheit gehört. Die Tour ist mit einem Audioguide versehen und mit Musik unterlegt. Ein wenig so, als befände man sich in einer Dan-Brown-Verfilmung, aber dafür auch informativ.

Die Tour beginnt hier. Auf dem gleichen Portal können auch weitere Orte in Jerusalem wie etwa die Klagemauer oder der Kreuzweg besichtigt werden.

Die Pasta Grannies haben rein gar nichts mit Weihnachten zu tun, passen aber aus verschiedenen Gründen ganz wunderbar in diese Zeit. In Dutzenden Videos und Bildstrecken kann man zumeist italienischen Nonnas beim Ravioli-Füllen, Tagliolini-Schneiden und Fusilli-Drehen zuschauen. Das macht nicht nur Lust zu kochen, sondern tut auch der Seele gut. Etwas, von dem man dieser Tage nicht genug haben kann.

Zu finden auf Instagram unter @pastagrannies.