Wahlen in Deutschland

Kirchen mahnen zu Zusammenhalt

Nach dem Wahlsieg der AfD im Bundesland Mecklenburg-Vorpommern rufen die Kirchen zu gesellschaftlichem Zusammenhalt auf. Beunruhigt über das Wahlergebnis der Linken in Berlin zeigt sich der Zentralrat der Juden.

Die grossen Kirchen in Mecklenburg-Vorpommern haben nach der Landtagswahl zu gesellschaftlichem Zusammenhalt aufgerufen. Die Landesbischöfin der Nordkirche, Kristina Kühnbaum Schmidt, erklärte, dass die Möglichkeit einer demokratischen Regierungsbildung ein wichtiges Zeichen für Menschenrechte und Zusammenhalt darstelle. «Zugleich ist die AfD stärkste Kraft geworden. Es muss die Politik und uns alle als Gesellschaft dringlicher denn je beschäftigen, wenn Wählerinnen und Wähler auf diese Weise Sorgen und Protest zum Ausdruck bringen.»

Laut dem vorläufigen Ergebnis wurde die AfD mit 38,2 Prozent stärkste Kraft, gefolgt von der SPD mit 35,5 Prozent (ref.ch berichtete). Die CDU kam auf 4,8 Prozent und verpasste damit den Einzug in den Landtag. Die Linke erhielt 6 Prozent, die Grünen kamen auf 5,7 Prozent. Damit wäre eine Koalition von SPD, Linken und Grünen möglich.

Tilman Jeremias, evangelischer Bischof im Sprengel Mecklenburg und Pommern der Nordkirche, sagte: «Für Mecklenburg-Vorpommern ist jetzt wichtig, Brücken zu bauen und Vertrauen zu stärken.» Er hoffe, dass aus der jetzt schwierigen Konstellation neuer Mut entstehe, die Zukunft zu gestalten.

Auch der Hamburger katholische Erzbischof Stefan Hesse rief dazu auf, Gräben zuzuschütten und konkrete Vorhaben zum Wohle der Menschen umzusetzen. Es komme jetzt auf die Bildung einer guten Koalition an. «Als Kirche haben wir die Orte und die Aufgabe, Räume für Begegnung und Verständigung zu öffnen. Das machen wir gerne mit Herz und Haltung für Demokratie und Nächstenliebe.»

Mit Sorge nahm man den Sieg der Linken in Berlin in der jüdischen Community auf. Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, beklagte, dass die Linkspartei «wiederholt mit antisemitischen Grenzüberschreitungen» aufgefallen sei. Die Präsidentin des Internationalen Auschwitz Komitees, Eva Umlauf, sagte, sie erwarte, dass die Linke als Gewinnerin der Wahl sich «von allen antisemitischen Kräften innerhalb der Partei distanziert und trennt». Die Linke hatte die Wahlen mit 25,7 Prozent der Stimmen klar gewonnen. (epd/ no)

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