Pandemie

Deutsche Reformierte geben Empfehlung zu Präsenz­gottesdiensten

Ab einer Sieben-Tage-Inzidenz von 200 sollen Gottesdienste nur noch online durchgeführt werden. Das empfiehlt die Evangelisch-reformierte Kirche in Deutschland ihren Gemeinden.

In Deutschland hat die Evangelisch-reformierte Kirche ihren Gemeinden empfohlen, ab einer Sieben-Tage-Inzidenz von 200 in einem Landkreis oder einer Stadt auf Präsenzgottesdienste zu verzichten. Grundsätzlich entschieden darüber jedoch die Kirchgemeinden «selbstständig, sachkundig und mit hohem Verantwortungsbewusstsein», sagte Kirchenpräsident Martin Heimbucher am 19. Januar dem Evangelischen Pressedienst (epd). Bereits im Dezember hätten 30 bis 40 Prozent der bundesweit 145 reformierten Gemeinden entschieden, bis auf weiteres keine Präsenzgottesdienste mehr durchzuführen.

Auch die lippische Landeskirche hat ihren Gemeinden geraten, wegen der hohen Infektionszahlen bis Ende Januar auf Präsenzgottesdienste zu verzichten. Das Erzbistum Berlin hatte vergangene Woche mitgeteilt, dass überall dort, wo die Sieben-Tage-Inzidenz den Wert 200 übersteigt, Gottesdienste mit Besuchern abgesagt würden.

Heimbucher betonte, dass die Landeskirche sowohl Präsenzgottesdienste mit Hygienekonzept als auch alternative Gottesdienstangebote ohne Präsenz respektiere und mittrage. Das gelte auch bei einer weiteren Verschärfung des Lockdowns. Die Gesundheitsämter hätten bestätigt, dass in Gottesdiensten kein erhöhtes Infektionsrisiko bestehe, wenn die Hygienekonzepte eingehalten werden. Das bedeute: Eingang und Ausgang der Kirchen müssen überwacht werden, die Gemeindeglieder müssen mit einem Mund-Nasen-Schutz auf Abstand sitzen und dürfen nicht singen.

Finanzhilfen für Online-Angebote

Bereits seit dem vergangenen Frühjahr habe die reformierte Kirche ihren Kirchgemeinden zusätzliche Mittel zur Verfügung gestellt, um technische Geräte für digitale Gottesdienstformate anzuschaffen. Etwa 150’000 Euro seien bisher dafür abgerufen worden, sagte Heimbucher. Sehr viele Kirchgemeinden seien nun gut ausgestattet. Über die bereits vermittelten Fortbildungen hinaus kündigte er weitere Schulungen für Interessierte in den Gemeinden an.

Deutschland kämpft derzeit mit drastischen Massnahmen gegen das Coronavirus an. Die Zahl der Neuansteckungen sinkt denn auch, doch die Zahl der Todesfälle bleibt weiterhin hoch. Laut dem Robert Koch-Institut liegt die Sieben-Tage-Inzidenz bundesweit bei 132. Es gibt jedoch starke regionale Unterschiede: In Thüringen zum Beispiel liegt sie bei 256, in Schleswig-Holstein dagegen bei 87. Zum Vergleich: In der Schweiz beträgt dieser Wert, der die Summe der Neuinfektionen von sieben Tagen pro 100'000 Einwohner wiedergibt, bei 179. (epd/vbu)