Dekan der Bündner Landeskirche: «Potenzial sehen»
An der Sommersynode der Evangelisch-reformierten Landeskirche Graubünden sei das Wort «Krise» auffällig oft zu hören gewesen, heisst es in einer Mitteilung der Landeskirche. Die Kirche sei durch Corona, den Krieg in der Ukraine und die Klimakatastrophe neu gefordert, sagte Dekan Thomas Müller-Weigl. Eine Kirche, die nur das Bestehende sehe, sei untergangsgefährdet – eine Kirche jedoch, die Potenzial sehe, habe Zukunft. «Der Versuch, im Alltag dran zu bleiben und Lösungen zu suchen, lohnt sich.»
Als Gast eingeladen hatten die Reformierten den Journalisten und Publizisten Roger de Weck. Dieser habe über Pazifismus referiert und dargelegt, dass Pazifismus zwar als persönliche Haltung tauge, nicht aber für die Politik. «Der Pazifismus ist eine wertvolle Utopie. Von anderen zu fordern, auf Waffen zu verzichten, ist anmassend», sagte de Weck. Die reformierte Kirche gäbe es nicht, wenn die Protestanten damals Pazifisten gewesen wären, sagte er.
Kirchgemeindepräsident Curdin Mark erinnerte schliesslich an die historischen Ereignisse von 1523, als der Churer Stadtrat Johannes Comander als Pfarrer nach Chur berief. Comander wurde einer der bedeutendsten Reformatoren im Gebiet der Drei Bünde und prägte die Anfänge der Bündner Synode entscheidend mit. Diese zählt laut Mark zu den ältesten Gefässen der Demokratie weltweit. «Die Synode ist ein einmaliger Ort. Haben Sie Mut und geben Sie acht darauf, sich nicht im Kleinen zu verstricken», sagte Mark. (jow)