Das Ringen um die Gelder geht weiter

Im Gegensatz zum Kirchenrat will die Synode der Evangelisch-reformierten Kirche Basel-Stadt die Zahl der Gottesdienststandorte erhöhen. Damit erhalten alle Standorte künftig weniger Geld.


Erstaunlich lapidar beginnt die aktuelle Medienmitteilung der Evangelisch-reformierten Kirche Basel-Stadt: Die Kirche werde immer kleiner, weswegen auch die verfügbaren Mittel zusehends schrumpften.

Tatsächlich kämpft die Basler Kantonalkirche schon länger mit finanziellen Schwierigkeiten, ebenso wie mit der Lösung für dieses Problem. Am Dienstag ist das Ringen um die Mittel nun in eine neue Runde gegangen: Das Kirchenparlament entschied an einer ausserordentlichen Synode, die Zahl der Gottesdienststandorte in der Periode 2019–2022 zu erhöhen. Das führt dazu, dass den einzelnen Standorten weniger Geld zur Verfügung steht.

Der Entscheid sei «eher überraschend» gefallen, heisst es in der Medienmitteilung. Der Kirchenrat hatte zuvor empfohlen, die Zahl der Standorte zu reduzieren. Dies wäre auf Kosten von Kleinbasel gegangen, hätte aber insgesamt mehr Geld für die einzelnen Standorte bedeutet. Gegen den Vorschlag hatte sich die vorberatende Planungskommission gestellt: Sie beantragte, die Zahl der Standorte gleich zu belassen. Der Synodale Stephan Wenk brachte schliesslich den Vorschlag ein, auf den sich das Plenum am Ende einigte.

Neues Modell als Kompromiss

Die Neuverteilung der Gelder hängt mit dem sogenannten Konvergenzmodell zusammen, das die Synode vergangenen Herbst beschlossen hat. Es sieht vier unterschiedliche Arten von Beiträgen an die Kirchgemeinden vor: Die Grundversorgung, die sich nach der Mitgliederzahl richtet, einen Betriebsbeitrag, Förderbeiträge für bestimmte Projekte sowie einen Fixbetrag pro Gottesdienststandort, der auf das Gemeindeleben zielt. Für letzteres steht ein Globalbetrag zur Verfügung, der durch die Anzahl der Gottesdienststandorte geteilt wird.

Mit dem Konvergenzmodell soll gewährleistet werden, dass die Gemeinden weiterhin ihre Grundlagenarbeit betreiben und gleichzeitig neuartige Formen kirchlichen Lebens entwickeln können. Es war im Frühling 2017 als Kompromiss vorgeschlagen worden, nachdem die Verteilung der knapper werdenden Gelder die Basler Reformierten mehrere Monate beschäftigt hatte. An der Herbstsynode 2015 hatte der Kirchenrat das Dokument «Perspektiven 2015–2025» (P 25) vorgelegt, wonach die künftige Zuteilung der Mittel nicht mehr von der Mitgliederzahl, sondern von anderen Faktoren wie Gottesdienstbesuch und Eigenleistungen im Fundraising bestimmt sein sollte. Dieser Vorschlag traf jedoch auf Widerspruch. Auch die Planungskommission schloss sich der Kritik damals an. (vbu)