Basler Reformierte stimmen für Kompromiss

Auf ihrer Sitzung am 21. Juni haben die Synodalen von Basel-Stadt dem im April vorgestellten Konvergenzmodell, einer Kompromisslösung zur Verteilung der knapper werdenden Finanzen, grossmehrheitlich zugestimmt. Das Defizit der Jahresrechnung ist deutlich grösser als budgetiert, insbesondere fallen die Steuereinnahmen um rund 800‘000 Franken niedriger aus.

Das ehemalige Kirchgemeindehaus Oekolampad,Versammlungsort der Baselstädtischen Reformierten am 21. Juni. (Bild: ERK BS)

Die Kassen der Evangelisch-reformierten Kirche Basel-Stadt (ERK BS) leeren sich rasant. Sollen die knapper werdenden Mittel vor allem Gemeinden zugutekommen, die attraktive Gottesdienste anbieten und Spenden einwerben, oder soll das Geld weiterhin im Verhältnis zur Mitgliederanzahl an die Kirchgemeinden verteilt werden? Das ist, kurz gefasst, die eine Frage, über die die ERK BS seit Herbst 2015 diskutiert. Damals hatte der Kirchenrat – also die Exekutive – in seinen «Perspektiven 2015–2025» die erste Lösung favorisiert, was zu Unmut bei dadurch voraussichtlich benachteiligten «normalen» Quartiergemeinden geführt hatte. Synodale der Planungskommission hatten kurz darauf in einem nach dem Wortführer Stefan Wenk benannten «Anzug Wenk» eine Verteilung weiterhin nach Mitgliederanzahl gefordert.

Auf der Synode zur Kirchenentwicklung am 28. April stellte wurde dann ein Konvergenzmodell vorgestellt, das unter den Synodalen breite Sympathien fand. Es soll gewährleisten, dass Quartiergemeinden weiterhin ihre Grundlagenarbeit wie Seelsorge und Unterricht betreiben können und gleichzeitig neuartige Projekte und Formen kirchlichen Lebens gefördert werden. Das Konvergenzmodell sieht einen für alle Gemeinden nach Mitgliederzahl berechneten Sockel für die Grundversorgung vor. Darüber hinaus werden Förderbeiträge für «spezielle Schwerpunkte und Projekte mit besonderem Zukunftspotenzial» in einem dafür angelegten Fonds bereitgestellt.

Eintreten oder nicht?

Mit einer Resolution sollte jetzt der Kirchenrat ersucht werden, eine mögliche künftige Mittelverteilung nach diesem Konvergenzmodell zu entwerfen. Vor dem Entscheid gab es aber doch noch Diskussionen. Denn die Planungskommission wollte sich nicht mit dem neuen Modell abfinden. Laut Stefan Wenk mangele es diesem Vorschlag an Transparenz, ausserdem werde der Gemeindeautonomie zu wenig Rechnung getragen. Deshalb legte die Planungskommission der Synode noch einmal eine leicht abgewandelte Fassung des «Anzug Wenk» vor.

Die Frage war dann, ob die Synode auf diese Geschäft eintreten sollte. Hier waren die Meinungen geteilt. Von verschiedenen Seiten wurde Wenk und seinen Mitunterzeichnern Dank für die geleistete Arbeit ausgesprochen, denn diese habe «etwas in Bewegung gesetzt». Einige Synodale meinten, das solle jetzt auch durch Eintreten in die Diskussion gewürdigt werden. Andere waren der Ansicht, der Anzug habe jetzt nach einem Jahr Diskussion «seinen Zweck erfüllt». Diese «Ehrenrunde» sei wertvoll gewesen, weil man miteinander ins Gespräch gekommen sei und sich aufeinander zu bewegt habe. Jetzt bräuchten die Gemeinden endlich einen Entscheid für ihre finanzielle Planungssicherheit.

Stichentscheid des Präsidenten

Gegner und Befürworter des Eintretens hielten sich mit 33:33 (bei 4 Enthaltungen) die Waage. Synodepräsident Markus Frey entschied dann mit einem Stichentscheid gegen das Eintreten. Die Resolution zugunsten des Konvergenzmodells wurde in Folge grossmehrheitlich angenommen.

Dass es um die Finanzen der ERK BS mehr als kritisch bestellt ist, zeigte einmal mehr die Jahresrechnung 2016. Das budgetierte Defizit von 1,1 Millionen fiel noch einmal um 100‘000 Franken schlechter aus (bei Aufwendungen von knapp 32 Millionen). Hauptgrund sind wieder Steuerausfälle, die um 800‘000 Franken zu niedrig budgetiert wurden.

Beim ebenfalls traktandierten Zwischenbericht zur durchgeführten Mitgliederbefragung gab es inhaltlich wenig Neues, die Ergebnisse müssen noch der Kommission für Kirchentwicklung und dem Kirchenrat vorgelegt werden. Die Befragung habe sich aber gelohnt, sagte der Synodale Wolfram Kägi, der den Bericht vorstellte. 1270 von 5000 nach Zufallsprinzip an die Kirchenmitglieder verschickten Fragebögen seine beantwortet zurückgekommen, das sei ein ausserordentlich guter Rücklauf. Der Abschlussbericht enthält auch einen Kommentar des Zürcher Professors für Kirchenentwicklung Thomas Schlag, den Kägi vorab zitierte: In der Mitgliederbefragung habe sich gezeigt, so Schlag, dass die Basis die Kirche immer noch trage und eine Wüste in absehbarer Zeit nicht zu befürchten sei.