Das Leiden der kolumbianischen Frauen nach dem Bürgerkrieg

Trotz Friedensprozess ist Lage vieler Frauen in Kolumbien prekär. In ihrer aktuellen Kampagne unterstützt Heks, das Hilfswerk der Evangelischen Kirchen Schweiz, die Arbeit einer der wichtigsten kolumbianischen Frauenorganisationen.

Immer wieder sorgen gewalttätige Zwischenfällen in Kolumbien international für Schlagzeilen. So sind erst diese Woche mindestens 13 Menschen bei der Explosion einer Handgranate vor einer Diskothek in Montelíbano, einer Stadt im Süden Kolumbiens, verletzt worden. Die Opfer feierten den Titelsieg des Fussballteams Junior Barranquilla in der kolumbianischen Liga, als Unbekannte die Granate unter die Fans warfen.

Nur einen Tag später konnte die Grossnichte des kolumbianischen Literaturnobelpreisträgers Gabriel García Márquez, Melisa Martínez García, aus den Händen von Entführern befreit werden. Sie wollten mit der Entführung ein Lösegeld von fünf Millionen Dollar erpressen.

Opfer sexueller Gewalt

Solche Vorfälle zeigen: Zur Ruhe ist Kolumbien trotz Friedensbemühungen nicht gekommen. Über fünfzig Jahre haben sich in Kolumbien Regierungstruppen und die FARC-Guerilla bekämpft. Dieser Konflikt endete vor zwei Jahren mit dem Unterzeichnen eines Friedensvertrages und der Demilitarisierung der FARC.

Mitten in diesem Prozess ist das Hilfswerk der Evangelischen Kirchen der Schweiz tätig. In ihrer aktuellen Kampagne unterstützt sie die Arbeit einer der wichtigsten Frauenorganisationen in Kolumbien: Die «Organización Femenina Popular» (OFP). Die OFP setzt sich mit Unterstützung von Heks auf politischer Ebene dafür ein, dass die im Friedensvertrag vereinbarten Punkte umgesetzt und die Rechte der Konfliktopfer berücksichtigt werden.

Die OFP macht sich insbesondere für Frauen stark, die während des Bürgerkriegs Opfer von sexueller Gewalt wurden, ihren Partner verloren und vertrieben wurden. Die Frauen werden unterstützt, Landtitel einzufordern, ihre prekären Wohnverhältnisse zu verbessern und ein eigenes kleines Geschäft aufzubauen. «Das kann eine Strassen-Küche oder ein Kiosk sein, ein Hühnerstall oder ein Kräutergarten», sagt Leo Meyer, Verantwortlicher für das Land Kolumbien des Heks. «Wir wollen helfen, dass sie über ein bescheidenes Einkommen verfügen.»

Machtvakuum gefüllt

Doch nicht nur die Frauen benötigen Hilfe, sondern auch Männer, sagt Meyer. Nach der Entwaffnung der FARC-Rebellen entstand ein Machtvakuum, das von kriminellen Drogenbanden, Ex Guerillas und Ex Paramilitärs  gefüllt wurde. Immer wieder kommt es zu Konflikten zwischen der Drogenmafia und der lokalen Bevölkerung. Dabei käme es auch zu Entführungen. «Zusammen mit dem Schweizer Aussendepartement helfen wir den Dorfbewohnern, sich untereinander zum Beispiel mit Handy Notrufsystem zu vernetzen und sich so besser als Gruppe vor Übergriffen zu schützen», sagt Meyer. So sei es für Kriminelle schwieriger, einzelne aus dem Dorf herauszureissen. «Auf den Staat beziehungsweise auf die Polizei kann man sich an in den abgelegenen Konfliktgebieten nicht verlassen. Es gibt Gebiete in Kolumbien, insbesondere an der Pazifik-Küste, da kommt keine Polizei hin», sagt Meyer.

Bei ihrer Arbeit setzt das Heks auf den Kontakt zu lokalen Organisationen. «Sie können am besten entscheiden, wie das Geld am wirksamsten eingesetzt werden soll», sagt Meyer. Er selber sei etwa zwei Mal pro Jahr vor Ort. Angst habe er dabei nicht. «Wir haben ein gutes Sicherheitsdispositiv. Die Konfliktparteien wissen zudem, dass sie sich grösseren Ärger einhandeln, wenn sie einen Ausländer entführen oder töten», sagt Meyer. Die lokalen Leute seien viel gefährdeter.

Bei der Arbeit gehe es auch darum, die Jungen in den Schulen zu sensibilisieren und aufzuzeigen, was ein Leben in der Drogenmafia bedeuten kann. «Das ist aber nicht einfach. Aus Mangel an Alternativen geraten viele Jugendliche in die Abhängigkeit der Coca-Drogen-«Industrie», sagt Meyer.

Druck auf Elite steigt

Wie es mit Kolumbien nach dem Friedensabkommen nun weitergeht, seit schwierig abzuschätzen. «Unter der momentanen Situation leidet die wirtschaftliche Entwicklung des Landes», sagt Meyer Auch das grosse Potential im Tourismus könne wegen des Images als Konflikt und Drogenland nicht voll ausgeschöpft werden. Und auch die städtische Elite merke, dass sie wirtschaftlich davon abhängig sind, wie sich der Friedensprozess in ihrem Land entwickelt. Nehme der Druck dort zu, steige dieser auch auf die Regierung, den Friedensprozess voranzutreiben.