Chilenin soll UN-Hochkommissarin für Menschenrechte werden

Michelle Bachelet, zweimalige Präsidentin Chiles, steht vor der Übernahme eines schwieriges Amtes. In einem Zeitalter der Unterdrückung und Konflikte soll sie als UN-Hochkommissarin die Opfer verteidigen.


Die neue Hochkommissarin für Menschenrechte der Vereinten Nationen wird wohl Michelle Bachelet heissen. UN-Generalsekretär António Guterres gab die Entscheidung für die 66-Jährige am 9. August in New York bekannt. Menschenrechtsaktivisten begrüssten die Ernennung der früheren chilenischen Präsidentin, die ihr neues Amt in Genf voraussichtlich am 1. September antreten wird.

Die UN-Vollversammlung muss der Personalie noch zustimmen. Die Chilenin soll den Jordanier Seid Ra’ad al Hussein ablösen, der nicht für eine zweite vierjährige Amtszeit kandidierte. Bachelet war von 2014 bis 2018 und 2006 bis 2010 Präsidentin ihres Heimatlandes, zudem diente die Kinderärztin als Ministerin. Sie leitete als erste Exekutivdirektorin das Frauenprogramm UN-Women in New York.

Opfer der Pinochet-Diktatur

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch betonte, dass die ehemalige sozialistische Politikerin das Amt in einer sehr schwierigen Zeit übernehme. Die Angriffe auf die Menschenrechte häuften sich, erklärte Direktor Kenneth Roth. Bachelet, die selbst Opfer der chilenischen Pinochet-Diktatur war, wisse um die Bedeutung der Menschenrechte. Die Menschen rund um den Globus würden auf sie als eine starke Anwältin gegen Unterdrückung und Gewalt bauen.

Amnesty International forderte, dass die erfahrene Staatsfrau Bachelet ihren Einfluss bei den Regierungen rund um die Welt geltend machen sollte. Bachelet müsse Politiker dazu bringen, die Menschenrechte einzuhalten und von repressiven Massnahmen gegen die eigene Bevölkerung abzusehen. Amnesty bot der designierten UN-Hochkommissarin eine enge Kooperation an.

Prozess hinter verschlossenen Türen

Gleichzeitig forderte Amnesty mehr Transparenz bei den Auswahlverfahren der UN. Die Weltorganisation müsse ihre Spitzenpositionen in offenen Verfahren besetzen. UN-Generalsekretär Guterres hatte Bachelet nach Beratungen mit den Regionalgruppen und grossen Mitgliedsstaaten nominiert. Bis zuletzt lief der Prozess hinter verschlossenen Türen ab.

Seit der Einrichtung des Amtes des UN-Hochkommissars für Menschenrechte 1994 standen drei Frauen und vier Männer an der Spitze. Bachelet soll nach ihrer Ernennung die Menschenrechte weltweit fördern, Regierungen beraten, die Länder bei der Ausarbeitung neuer Abkommen unterstützen und Verletzungen der Grundrechte anprangern.

2000 Mitarbeiter im Kommissariat

Einige der bisherigen Hochkommissare wie Amtsinhaber Seid verurteilten Missstände sehr offensiv, auch in den mächtigsten UN-Ländern wie den USA und China. Die USA sperrten sich gegen eine Verlängerung des Vertrages von Seid.

Neben der Zentrale in Genf unterhält das UN-Hochkommissariat für Menschenrechte mehrere Büros rund um die Welt. Insgesamt arbeiten etwa 2’000 Menschen für das Kommissariat, das sich hauptsächlich durch freiwillige Beiträge von UN-Mitgliedsländern finanziert. (epd/bat)