Bundesrat verurteilt «Therapien» gegen Homosexualität

Behandlungen zur «Heilung» von homosexuellen Jugendlichen stellen aus Sicht des Bundesrats eine Diskriminierung dar. Verbieten will er sie aber nicht. Stattdessen sollen die Schutznormen besser bekannt gemacht und die Aufsicht gestärkt werden.


Sogenannte Therapien gegen Homosexualität könnten für die Betroffenen schwerwiegende Folgen haben und seien zu verurteilen. Das schreibt der Bundesrat in einer am 5. September veröffentlichten Stellungnahme zu einer Motion von BDP-Nationalrätin Rosmarie Quadranti (ZH). Sie fordert ein Verbot von Therapien, welche zum Ziel haben, die sexuelle Orientierung bei Kindern und Jugendlichen zu verändern, zudem Berufsverbote für Psychologinnen, Therapeuten oder Seelsorgerinnen, die solche anbieten.

Entsprechende Therapien seien in der Schweiz wieder auf dem Vormarsch, schreibt Quadranti. Auch wenn dies oft im Verborgenen passiere, sei es traurige Realität. Österreich habe einem Verbot bereits zugestimmt, in Deutschland sei ein solches in Vorbereitung. Es sei Zeit, das auch in der Schweiz zu tun.

Psychische Schädigungen

Der Bundesrat lehnt jegliche Therapie, welche die Veränderung der homosexuellen Orientierung zum Ziel hat, aus menschlicher, fachlicher und rechtlicher Sicht ab. Homosexualität sei keine Krankheit und bedürfe keiner Therapie, schreibt er. Eine Behandlung sei nicht nur eine Diskriminierung, sondern könne für die Betroffenen auch zu psychischen Schädigungen führen.

Nach Angaben des Bundesrats ist bei Gefährdung Minderjähriger die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde zuständig. Je nach Konstellation könnten die Eltern sogar wegen Verletzung der Fürsorge- und Erziehungspflicht zur Rechenschaft gezogen werden. Auch Berufsverbote können schon heute verhängt werden. Ein Verbot von Therapien zur Veränderung der sexuellen Orientierung ist laut Bundesrat jedoch mangels einer spezifischen Gesetzgebung nicht möglich. (sda/no)