Bündner Kirchenrat vor Abstimmung über Verfassung zuversichtlich

Die Mitglieder der Evangelisch-reformierten Landeskirche Graubünden stimmen am 10. Juni über die neue Verfassung ab. Sie setzt auf demokratische Mitsprache und Zusammenarbeit der Kirchgemeinden.


Mit der Abstimmung vom 10. Juni nimmt die Totalrevision der Bündner Kirchenverfassung die letzte Hürde. Der von einer Verfassungskommission ausgearbeitete Entwurf war zuletzt im Evangelischen Grossen Rat unbestritten. Der Kirchenrat zeigt sich deshalb optimistisch.

«Ich bin mir sicher, dass die Vorlage angenommen wird. Die Frage ist eigentlich nur, wie deutlich«, sagt Kirchenratspräsident Andreas Thöny auf Anfrage. Ausschlaggebend für seine Zuversicht sei, dass die neue Verfassung auf breiter Ebene diskutiert worden sei: «Nachdem der erste Entwurf von 2011 nicht mehrheitsfähig war, haben wir eine 16-köpfige Kommission eingesetzt. Dabei wurden auch die kritischen Stimmen einbezogen.»

Kompromisslösung

Gelassen sieht auch die Dekanin der Bündner Landeskirche, Cornelia Camichel Bromeis, der Abstimmung entgegen. «Nachdem der Entwurf in allen Gremien, von den Kolloquien bis zur Pfarrsynode, problemlos durchgegangen ist, rechne ich nicht mit vielen Gegenstimmen.» Für eine Annahme spreche weiter, dass es sich bei der Vorlage um eine Kompromisslösung handle. «Der neue Entwurf geht inhaltlich viel weniger weit als der Vorentwurf von 2011. Trotzdem war dieser wichtig, damit wir nun über eine breit abgestützte Verfassung abstimmen können», sagt sie.

Regionale Zusammenarbeit stärken

Mit der revidierten Verfassung reagiert die Bündner Landeskirche auf ein verändertes gesellschaftliches Umfeld. So soll die Mitgliedschaft in der Kirche künftig erleichtert werden, zum Beispiel durch Ausnahmen bei der Wohnsitzpflicht. Weiter sollen demokratische Mitsprache und regionale Zusammenarbeit der Kirchgemeinden eine grössere Rolle spielen. Die aktuelle Verfassung der Bündner Landeskirche stammt aus dem Jahr 1978.

Spricht sich das Bündner Stimmvolk am 10. Juni für den Entwurf aus, müssen in einem nächsten Schritt die einzelnen Gesetze an die Verfassung angepasst werden. Der Fahrplan dazu soll im Sommer verabschiedet werden. Die neue Verfassung tritt per 1. Januar 2019 in Kraft. (no)