NS-Plünderungen

Bremen weiht «Arisierungs»-Mahnmal ein

In der nordwestdeutschen Stadt erinnert neu ein Mahnmal an die systematische und massenhafte Ausplünderung der Juden durch die Nationalsozialisten.

Ein neues Mahnmal in Bremen erinnert an ein dunkles Kapitel der nationalsozialistischen Geschichte, in das weite Teile der deutschen Bevölkerung verstrickt sind. Es geht um die systematische und massenhafte Ausplünderung der Juden durch das NS-Regime.

Gemäss Initiator Henning Bleyl füllt das Mahnmal «eine Leerstelle in der Erinnerungslandschaft» und sei darum in dieser Form einzigartig. «Fast 80 Jahre nach dem Holocaust gibt es immer noch grosse Mengen an jüdischem Besitz in deutschen nichtjüdischen Häusern – und die wenigsten Familien haben sich damit auseinandergesetzt», so der Journalist und Kulturwissenschaftler.

Das «Arisierungs»-Mahnmal soll an diesem Sonntag an den Weser-Arkaden nahe der Bremer Altstadt eingeweiht werden.

«Das war eine Beutegemeinschaft»

Bei der sogenannten «Aktion M» der Nationalsozialisten sollte möglichst viel von den Möbeln und dem Hausrat der jüdischen Bevölkerung, die entweder geflohen war, ausgewandert war oder deportiert wurde, nach Deutschland geschafft und «arisiert» werden. In Auktionen oder Massenverkäufen seien die Sachen günstig an die «Volksgemeinschaft» abgegeben worden, so Bleyl. «Das galt im NS-Jargon als ‹siegwichtig›, denn im Reich waren ja mittlerweile viele Leute ausgebombt.» Beteiligt gewesen seien viele, Behörden genauso wie Unternehmen und eben Bürgerinnen und Bürger.

«Das war eine Beutegemeinschaft», sagt Bleyl. Bremen als Hafen- und Logistikstadt habe einen besonderen Anteil an der Ausplünderung gehabt, die dem Holocaust vorausgegangen sei.

«Das lief flächendeckend, nicht nur in Deutschland in jeder Ortschaft und in jedem Gemeinwesen, sondern in allen Ländern, die die Wehrmacht besetzt hatte.» Dabei hätten Spediteure wie Kühne & Nagel mit ihrer Firmenzentrale in Bremen als Dienstleister eine zentrale Rolle gespielt. «Kühne & Nagel hatte fast ein Monopol darauf, die Streckentransporte zu machen. Das war ein Riesengeschäft.»

Projekt kostete eine halbe Million Euro

Beim Firmenjubiläum 2015 habe das überhaupt keine Rolle gespielt, erinnerte sich Bleyl. Daraufhin kam die Idee zu dem Mahnmal, das nach einem Entwurf von Evin Oettingshausen verwirklicht worden sei.

Finanziert wurde das etwa 550'000 Euro teure Projekt den Angaben zufolge durch öffentliche Mittel, Bremer Speditionsunternehmen und private Spenden. Bleyl betonte, in der Beschäftigung mit dem Thema sei das Bauwerk «kein Schlusspunkt, sondern ein Doppelpunkt». (epd/ eba)