Bis zu einer halben Million Senioren von Gewalt betroffen

Gewalt im Alter muss ernster genommen werden. Zu diesem Schluss kommt eine Bestandesaufnahme des Bundesrats. Bis im Herbst 2021 soll nun beurteilt werden, ob weitere Präventionsmassnahmen nötig sind.


Körperliche und psychische Gewalt gegen ältere Menschen ist in der Schweiz keine Seltenheit. Rund 300’000 bis 500’000 Personen über 60 Jahren sind jedes Jahr von einer Form von Gewalt oder Vernachlässigung betroffen, wie es in einer Medienmitteilung des Bundesrats vom 18. September heisst.

In einer Bestandesaufnahme zu Gewalt im Alter hat der Bundesrat die Ursachen und Formen von Gewalt gegen ältere Menschen untersucht. Demnach erhöhen der Verlust der Selbständigkeit, Isolation, Demenz sowie emotionale oder finanzielle Abhängigkeit das Risiko für ältere Menschen, Opfer von Misshandlungen zu werden.

Allerdings seien diese nicht immer auf Böswilligkeit zurückzuführen, heisst es in der Mitteilung weiter. Eine Rolle spiele auch die Überforderung von Angehörigen, Fachpersonen oder des Pflege- und Betreuungspersonals. Die Corona-Krise habe zudem gezeigt, wie schmal der Grat zwischen Schutzpflicht und Achtung der Selbsbestimmung sei.

Lücken in der Prävention schliessen

Zur Bekämpfung von Gewalt im Alter brauche es deshalb eine Reihe von Präventions-, Erkennungs- und Interventionsmassnahmen. In seinem Bericht zeigt der Bundesrat auf, dass zwar bereits zahlreiche Instrumente wie zum Beispiel eine schweizweite Hotline bestehen. Diese Angebote seien aber oft uneinheitlich und zu wenig auf die Bedürfnisse der älteren Menschen abgestimmt.

Der Bundesrat kommt deshalb zum Schluss, dass Gewalt im Alter ernster genommen werden muss. Das Innendepartement soll nun bis im Herbst 2021 zusammen mit den Kantonen und den betroffenen Organisationen beurteilen, ob ein Impulsprogramm nötig ist, um die Lücken bei der Prävention zu schliessen. (no)