Religionsunterricht

Kirchliche Bildung standardisieren

Ein EKS-Projekt soll die Katechetik-Ausbildung modernisieren und vereinheitlichen. Bis es in die Praxis einfliessen würde, dauert es aber noch eine Weile.

Im kirchlichen Unterricht sollen gemeinsame Standards geschaffen werden. (Bild: Christian Brun/ Keystone)

«Bildung ist in den letzten Jahrzehnten von den Landeskirchen stiefkindlich behandelt worden», sagte unlängst der Theologe Thomas Schlag im Interview mit ref.ch. Seiner Ansicht nach geniessen Gottesdienste, Seelsorge und Gemeindeentwicklung Priorität. Schlag sagt: «Der Bildungsbereich wird, wenn überhaupt, als Nice-to-have gesehen. Daran sollte sich dringend etwas ändern.» Dem Professor für Praktische Theologie an der Universität Zürich und Leiter des Zentrums für Kirchenentwicklung fehlt eine «übergeordnete Strategie» in diesem Bereich.

Die Hoheit über die Ausbildung der Katechetinnen und Katecheten liegt bei den Kantonalkirchen – ganz nach dem föderalistischen Prinzip der Schweiz. Allerdings bringt das mit sich – wie in vielen anderen Bereichen, die föderalistisch organisiert sind –, dass es Doppelspurigkeiten, unterschiedliche Strukturen und verschiedene Massstäbe gibt. «Es wäre an der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz (EKS), ein Signal zu setzen», meint Schlag.

Anbindung an staatlich anerkannte Berufe schaffen

Tatsächlich arbeitet der EKS-Rat an einem entsprechenden Projekt, es heisst «kirchliche Fachschule». Laut Stephan Jütte, Leiter Kommunikation EKS, ist es ein «Prototyp für die Bündelung von bestehenden Strukturen» im Bereich Religionspädagogik.

Unter dem Strich ist das Projekt ein «Sowohl-als-auch», denn: Einerseits soll die Katechetik-Ausbildung modular aufgebaut und zusammengeschlossen werden, sodass alle Kantonalkirchen vom Gleichen sprechen. «Das Anliegen ist, dass gemeinsame Standards sowie die Anbindung an staatliche Berufsanerkennungen möglich werden», sagt Jütte. Andererseits ist keine Zentralisierung der Ausbildung geplant und die Kantonalkirchen sollen weiterhin die Hoheit über die katechetische Ausbildung haben.

Laut Stephan Jütte ist die «kirchliche Fachschule» im weitesten Sinn vergleichbar mit dem «Rektorat für Religionsunterricht», das in Basel-Stadt den ökumenischen Religionsunterricht plant und organisiert. Im Gegensatz zum baselstädtischen «Rektorat» spielt beim EKS-Projekt die Ökumene – noch – keine Rolle.

Synodenvorlage kommt frühestens 2025

Die Idee der «kirchlichen Fachschule» ist im strategischen Ausschuss «Bildung und Berufe» der EKS entstanden. Delegierte der Landeskirchen und kirchlicher Bildungsinstitutionen sind darin vertreten. Ein erster Entwurf wurde im vergangenen Jahr der EKS-Synode vorgelegt.

Aktuell hat der EKS-Rat zusammen mit dem Weiterbildungsrat beschlossen, eine Machbarkeitsstudie durchzuführen. Die Ergebnisse werden der EKS-Synode 2025 vorgelegt – es dürfte also noch einige Zeit dauern, bis eine übergeordnete Stelle fachliche Impulse gibt für den Religionsunterricht in den Kantonalkirchen.