Berner Kirche rüstet Verwaltung auf

Die Synode der Reformierten Kirchen Bern-Jura-Solothurn hat 550 Stellenprozente für die Umsetzung des neuen Landeskirchengesetzes genehmigt. Gegenwind gab es für den Synodalrat bei der Bewilligung der Stelle eines Visionsbotschafters.


«Man könnte meinen, die Kirche sei eine Wachstumsbranche», scherzte der Vertreter der Finanzkommission Robert Gerber angesichts des Antrags des Synodalrats. Dieser will im Rahmen der Umsetzung des Landeskirchengesetzes 5,5 neue Vollzeitstellen in der Verwaltung schaffen. Mit dem Inkrafttreten des neuen Gesetzes per 1. Januar 2020 werde die Landeskirche Aufgaben des Kantons übernehmen. Ausserdem entstünden zusätzliche Aufgaben für die gesamtkirchlichen Dienste, begründete der Synodalrat seinen Antrag.

Viele Vorbehalte

Nicht nur Finanzkommission und Geschäftsprüfungskommission, auch Einzelsprecher und Fraktionen äusserten Vorbehalte. Der Synodale Bruno Bader etwa kritisierte, die Vorlage führe zu einer aufgeblähten Verwaltung. Die zusätzlichen Aufgaben seien auch mit weniger Stellenprozenten zu bewältigen. Viele Delegierte stiessen sich zudem an der Berechnungsgrundlage in Stellenprozenten. Eine Bezifferung in Stellenpunkten sei genauer und erlaube, ein Lohnkosten-Maximum festzulegen, lautete der Tenor.

In der Abstimmung setzte sich schliesslich ein Vorschlag der Liberalen Fraktion knapp durch. Diese forderte eine Plafonierung auf 600 Stellenpunkte für maximal 5,5 Vollzeitstellen, was einem Budget von rund 800’000 Franken entspricht. Zudem soll der Synodalrat in der Wintersynode 2021 erstmals Rechenschaft ablegen.

Keine «verwaltete» Vision erwünscht

Umstritten war auch der Antrag des Synodalrats auf Schaffung einer 40-Prozent-Stelle für eine Visionsbotschafterin. Diese soll die im Sommer 2017 formulierte Vision Kirche 21 nach aussen kommunizieren und deren Umsetzung in den Kirchgemeinden fördern. Zahlreiche Synodale störten sich daran, dass die Vision nun verwaltet werden solle. Eine Vision könne nicht in einer Stelle «versorgt» werden, vielmehr sei die aktive Mitwirkung aller Mitarbeitenden gefragt.

Das anschliessende Abstimmungsprozedere sorgte für zeitweilige Verwirrung und einen Unterbruch der Synode. Offensichtlich war sich die Synodenleitung nicht mehr sicher, über welche Anträge nun abgestimmt werden sollte. Mehrere Ordnungsanträge mussten diesbezüglich erst Klarheit schaffen.

Schliesslich wurde über den Antrag der Geschäftsprüfungskommission abgestimmt, die Stelle auf vier Jahre zu befristen. Dies wurde von der Synode gutgeheissen. In der Schlussabstimmung wurde der entsprechend modifizierte Antrag des Synodalrats mit 90 zu 75 Stimmen bei 5 Enthaltungen knapp angenommen.

Beiträge für HipHop-Center und Haus der Religionen

Leichter hatte es der Antrag auf eine Aufstockung der Stelle Gottesdienstentwicklung von derzeit 20 auf 75 Prozent. Nachdem die Vorlage in der Sommersynode 2017 knapp abgewiesen worden war, präsentierte der Synodalrat nun ein detailliertes Stellenprofil. Dieses wurde von der Synode mit einer deutlichen Mehrheit gutgeheissen.

Weiter sprach die Synode einen wiederkehrenden Beitrag in der Höhe von jährlich 80’000 Franken für das HipHop-Center Bern, einen jährlichen Beitrag von 120’000 Franken für das Haus der Religionen sowie 270’000 Franken für das OeME-Projekt «zäme ungerwägs». (no)