Tschäppät zeigte sich erfreut über die Auszeichnung und betonte die Besonderheiten der Berner Reformation: «Wir haben keinen Zwingli oder Calvin. Der Held der Berner Reformationsgeschichte war das Kollektiv.» Denn wenn in Bern Wichtiges anstehe, wollten alle mitreden. Nach einer zehntägigen Diskussion über die Reformation mit rund 450 Personen hatte der Rat von Bern 1528 entschieden, die Reformation einzuführen. Der Wechsel zum neuen Glauben sei also weitgehend ein politischer Entscheid gewesen.
Die Reformation hatte sich von Bern weiter ausbreiten können, betonte Tschäppät: «Wäre Bern nicht reformiert worden, hätten weder die bisher reformiert gewordenen Stände bestehen können, noch hätte sich die Reformation via Waadt und Genf in die Welt hinaus verbreitet.» Der Gemeinderat von Bern habe deshalb entschieden, Anlässe rund um das Jubiläumsjahr zur Reformation mit 30‘000 Franken zu unterstützen.
«Ein Kind der Stadt»
Gottfried Locher freute sich ebenso über das Label, schliesslich sei er Kind dieser Stadt und ein Berner Pfarrer. Von Bern habe die Reformation weitere Orte erreicht, in Europa und Übersee. «Bern wurde damit Teil einer globalen Bewegung.» Bis heute hätten rund 70 europäische Städte das Label der GEKE erhalten.
Andreas Zeller, Synodalratspräsident der reformierten Kirchen Bern-Jura-Solothurn, erklärte, warum das Reformationsjubiläum schon 2017 und nicht 2028 gefeiert werde. Man beziehe sich mit 2017 auf den Thesenanschlag von Luther, und damit sei 1517 als symbolisches Anfangsdatum auch für die Schweiz wichtig.
Zeller vertiefte dann das Anliegen, das hinter der Reformation stand: «Die Botschaft der Reformatoren ist die Freiheit.» Die Zuwendung Gottes bedürfe keiner Vermittlung durch eine Institution und keiner menschlichen Vorleistung.» Damit wurde Religion zur Angelegenheit des mündigen, selbstverantwortlichen Individuums. Die Reformation sei damit auch Wegbereiter der modernen Demokratie gewesen.
Grosses Kirchenfest geplant
Die Schwierigkeit sei heute aber, diese reformatorische Botschaft zu vermitteln. Die Kirche müsse hier eine Brücke schlagen und nach existenziellen Bedürfnissen der Menschen fragen. Diese Bedürfnisse müssten wiederum mit wesentlichen biblischen Aussagen in Beziehung gesetzt und aus heutiger Sicht reflektiert werden.
Damit dies möglich wird, fänden von Oktober 2016 bis Ende 2017 auf kantonaler Ebene über 50 Projekte zum Reformationsjubiläum statt, darunter eine grosse Ausstellung im Historischen Museum Bern und ein Kirchenfest am 10. September 2017 in der Berner Innenstadt.
Auf weitere Veranstaltungen auf kommunaler Ebene wies Andreas Hirschi hin, der Präsident des kleinen Kirchenrats der reformierten Gesamtkirchgemeinde Bern, darunter ein geplantes Theater über die Bergpredigt in der Kirchgemeinde Johannes, das von Jugendlichen und Erwachsenen geschrieben und aufgeführt wird.
Alle Veranstaltungen sind auf der neu aufgeschalteten Website www.ref2017.ch.