Berliner «Christopher Street Day» erstmals mit Kirchen-Truck

Beim diesjährigen Christopher Street Day (CSD) in Berlin beteiligen sich erstmals evangelische Kirchenkreise mit einem eigenen Truck. Nach dem Ja zur «Ehe für alle» wollen sie für Trauungen werben.

Der «Christopher Street Day» 2016 in Berlin fand ohne Kirchen-Truck statt, dafür mit Polizeibegleitung. (Bild: Keystone/Sophia Kembowski)

Auf der Homosexuellenparade wird sich der zweistöckige, 140 Personen fassende Kirchen-Lkw unter dem Motto «Trau Dich!» in den bunten Umzug von Lesben und Schwulen vom Kurfürstendamm über die Siegessäule bis zum Brandenburger Tor einreihen, wie Kirchenvertreter ankündigten.

Multireligiöser Gottesdienst

Am Freitagabend findet zudem ein multireligiöser Gottesdienst in der St. Marienkirche anlässlich des CSD statt, bei dem Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) sprechen wird. Auch die Gründerin der liberalen Ibn-Rushd-Goethe-Moschee, Seyran Ates, und die New Yorker Rabbinerin Sharon Kleinbaum werden dazu erwartet.

Mit der Teilnahme am CSD soll für kirchliche Trauungen geworben werden. Berlins Regierender Bürgermeister Müller würdigte die Evangelische Landeskirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) als «Vorreiterin bei der kirchlichen Trauung für homosexuelle Menschen». In der EKBO sind kirchliche Trauungen seit vergangenem Jahr auch für homosexuelle Paare ohne Einschränkungen möglich.

Kosten für Kirchen-Truck: 10’000 Euro

Die Generalsuperintendentin im Sprengel Berlin, Ulrike Trautwein, betonte in der Evangelischen Wochenzeitung «Die Kirche», es fehle bis heute in vielen Kulturen und Ländern an der Anerkennung vielfältiger Lebensformen und auch in Deutschland sei sie nicht überall selbstverständlich. «Auch bei uns gibt es Gewalt gegen schwule Männer und lesbische Frauen. Das ist leider noch schreckliche Realität», sagte Trautwein, die Schirmherrin der Aktion ist.

Finanziert wird der Kirchen-Truck beim CSD überwiegend aus Spenden, «Wir haben einen Grossspender, der anonym bleiben will, und mehrere Einzelspender», sagte die Hauptorganisatorin, Pfarrerin Stefanie Hoffmann vom Kirchenkreis Berlin-Stadtmitte. Hinzu kämen überschüssige Haushaltsmittel aus dem Kirchenkreis. Die Gesamtkosten liegen laut Kirchenkreissprecherin Christiane Bertelsmann bei etwas über 10’000 Euro. (epd)