Renato Pfeffer, die Fachgruppe Religion von Pink Cross beteiligt sich erstmals an der «Pride». Warum erst jetzt?
Die Fachgruppe Religion von Pink Cross gibt es erst seit 2015. Es ist keine explizit christliche Fachgruppe, sondern eine, die rund um die Thematik Religion und Homosexualität arbeitet. Die Jahre zuvor hat sich die christliche Gruppe «Zwischenraum» jeweils an der Pride beteiligt. «Zwischenraum» setzt sich für jene LGBTI-Personen (Lesbian, Gay, Bisexual, Transgender, Intersexual; Anm. d. Red.) ein, die in der Kirche keinen Platz haben. «Zwischenraum» hat sich uns für dieses Jahr angeschlossen.
Sie sind reformierter Theologiestudent in Zürich und Mitglied der christlichen Fachgruppe von Pink Cross. Welche Religionsgemeinschaften vertritt die Gruppe? Die Reformierten?
Unsere Fachgruppe steht allen Religionen offen. Auch innerhalb des Christentums machen wir keinen Unterschied zwischen Konfessionen und verschiedenen Strömungen. Ich glaube, dass gerade wir Christen uns für die Akzeptanz und Gleichberechtigung von LGBTI-Menschen einsetzen müssen, wenn wir das Christentum ernst nehmen. Ich habe kürzlich miterlebt, wie sich die Mormonen in den USA mutig für die LGBTI-Personen einsetzten. Da dachte ich: Das können wir auch. Die Idee war geboren.
Wie akzeptiert sind denn die Christen bei Pink Cross? Gibt es auch Ablehnung?
Als LGBTI-Person wird man von Christen teilweise immer noch verurteilt, ausgeschlossen oder zu «Umpolungen» gedrängt. Dies hat in der LGBTI-Community eine verständlicherweise negative Haltung gegenüber dem Christentum genährt. Ich bin froh, dass Pink Cross hier mit der Fachgruppe versucht, Gegensteuer zu geben.
Sehen Sie eine Tendenz, dass LGBTI-Personen in den Kirchen langsam besser akzeptiert sind?
Es findet eine Öffnung statt, und zwar vor allem dann, wenn Personen aus der Kirche auch persönlich Betroffene kennen. Es gibt sehr viele Vorurteile, die so abgebaut werden. Der Kirchenbund hat sich in seinem Positionspapier bereits 2003 sehr offen gezeigt und forderte damals schon die Stiefkind- und Volladoption. Die Evangelische Allianz propagiert leider immer noch, dass Umpolungstherapien möglich seien.
Der Hauptsponsor der diesjährigen Pride ist die Credit Suisse. Sind die Kirchen bei der Anerkennung von Schwulen und Lesben schon wieder im Hintertreffen, wenn selbst Grossbanken gerne mitziehen?
In New York war die erste Organisation, die sich überhaupt für LGBTI-Personen einsetzte, die «metropolitan community church». Hier in der Schweiz dürfte man von der Kirche schon mehr erwarten. Aber auch hier ist sich je nach Ortskirche einiges am Verändern.
Wie muss man sich die Teilnahme der Fachgruppe an der Pride vorstellen?
Unser Motto lautet «Religion for Love». Diese Botschaft wollen wir vermitteln. Wir laufen als zweite Gruppe mit. Es werden etliche Pfarrpersonen, Vertreter kirchlicher Ämter, aber auch Mitarbeiter und überhaupt engagierte Christinnen und Christen dabei sein. Die sexuelle Orientierung oder religiöse Zugehörigkeit spielt dabei keine Rolle. Auch Heterosexuelle, die uns unterstützen wollen, sind herzlich willkommen. Wir sind ein «Team for Love».
Informationen zur Pride