Pöbeleien im Basler Münster
«Unsere Mitarbeitenden sind am Anschlag»
Frau Schröder Field, im Herbst wurde ein Mitarbeiter im Münster von einem Besucher verletzt. Was ist passiert?
Ein Besucher wurde von einem unserer Mitarbeiter darauf hingewiesen, dass die Krypta schliessen würde. Dieser wollte das nicht akzeptieren und biss unseren Mitarbeiter. Er musste daraufhin notfallmedizinisch behandelt werden. Der Vorfall hat unser Team sehr erschüttert.
Wegen solcher Übergriffe soll das Münster während des Weihnachtsmarkts an den Wochenenden geschlossen bleiben. Warum eine so drastische Massnahme?
Wir haben diese Entscheidung sehr kurzfristig getroffen. In Gesprächen mit unseren Mitarbeitenden habe ich erfahren, dass diese völlig am Anschlag sind. An den Wochenenden ist der Besucherandrang noch um ein Vielfaches höher als an den Wochentagen. Wir haben täglich weit mehr als 1000 Besucher und Besucherinnen. Das ist mit drei Mitarbeitenden nicht mehr zu bewältigen. Wir haben uns überlegt, zusätzlich Securitas aufzustellen. Als kurzfristige Lösung erschien uns dies aber nicht ratsam.
Warum nicht?
Wenn wir an den Adventswochenenden Securitas einsetzen, verändert das den Charakter des Münsters. Das Münster wird von vielen Menschen, auch aus unserer Statdt, als ein Ort der Geborgenheit beschrieben. Diesen Charakter würde der Kirchenraum verlieren, wenn er von Sicherheitskräften bewacht würde. Das ist ein hoher Preis. Unsere Mitarbeitenden sind nicht uniformiert. Die kurzfristige Schliessung an den Wochenenden erschien uns als die vorerst bessere Lösung.
Mit welchen Übegriffen haben es Ihre Mitarbeitenden zu tun?
Besonders problematisch ist die Situation an den Übergängen zwischen Konzerten, Gottesdiensten und der allgemeinen Türöffnung. Dann drängen viele Menschen von aussen hinein. Einzelne sind nicht bereit zu warten, bis zum Beispiel das Orgelspiel verklungen ist und die Konzert- oder Gottesdienstbesuchenden das Münster verlassen. Die Aggressionen treffen dann auch die freiwilligen Mitarbeitenden. Während der Öffnungszeiten entstehen Aggressionen, wenn Personen auf Regeln hingewiesen werden müssen. Schon allein verbale Aggressivität belastet unsere Mitarbeitenden. Aber die Schwelle zu physischen Angriffen ist in letzter Zeit eben auch überschritten worden.
Das Münster hat seit je viele Besucherinnen. Warum ist das Problem jetzt so akut?
Die Vorfälle sind nicht völlig neu, aber sie haben sich verschärft. Das liegt vor allem daran, dass der Basler Weihnachtsmarkt in diesem Jahr auf der Ranking-Liste der Weihnachtsmärkte sehr weit oben ist. Das wird durch die sozialen Medien auch bekannt gemacht. Die Zunahme der Besuchenden hat unmittelbare Auswirkungen auf uns.
Führt die Schliessung zu finanziellen Einbussen?
Natürlich werden wir Einnahmeverluste haben, besonders durch die Eintrittsgelder für den Turm. Aber was nützen uns diese Einnahmen, wenn wir die Sicherheit unserer Mitarbeitenden nicht mehr gewährleisten können?
Nächstes Jahr findet der Eurovision Song Contest in Basel statt. Wie bereitet sich das Münster auf solche Grossveranstaltungen vor?
Als Kirche können wir uns nicht mehr vorbereiten, als wir es ohnehin schon tun. Wir sind an unserer Belastungsgrenze. Wenn der Kanton und die Öffentlichkeit möchten, dass wir auch während solcher Grossveranstaltungen unsere Öffnungszeiten beibehalten können, müssen wir gemeinsam eine Lösung finden. Das wäre mein Wunsch.