Bangladesch streicht das Wort «Jungfrau» von Heiratsurkunde

Ein Gericht befand, dass Frauen in Bangladesch nicht mehr bei der Heirat angeben müssen, ob sie Jungfrau sind. Künftig müssen zudem auch Männer ihren Zivilstand auf dem Heiratsformular nennen.


Ein Gericht in der Hauptstadt Dhaka hat geurteilt, das Wort «Kumari» (Jungfrau) vor dem Namen der Braut dürfe nicht mehr länger gebraucht werden, wie lokale Medien am 27. August berichteten.

Das Wort «unverheiratet» soll anstelle von «Kumari» benutzt werden, erklärten die Richter in ihrer Antwort auf die Petition einer Menschenrechtsorganisation aus dem Jahr 2014. Der «Bangladesh Legal Aid and Services Trust» hatte in seiner Petition an das Gericht erklärt, die Bezeichnung sei diskriminierend und verletzte die Privatsphäre von Frauen.

Auch für Männer ändern Vorschriften

Die anderen beiden Optionen für Frauen auf dem Formular zur Registrierung einer Eheschliessung sind «verwitwet» und «geschieden». Das Gericht befand weiter, dass künftig auch Männer ihren Zivilstand auf dem Formular angeben müssen. Bislang galt diese Vorschrift nur für Frauen. Das Urteil soll umgesetzt werden, sobald die Entscheidung des Gerichts amtlich bekanntgegeben wurde.

Das mehrheitlich muslimische Bangladesch gehört laut Unicef zu den Ländern mit den meisten Kinderehen. 59 Prozent aller Mädchen heiraten vor ihrem 18. Geburtstag. Jungfräulichkeit hat in der extrem konservativen Gesellschaft einen sehr hohen Stellenwert. Viele Eltern hoffen, ihre Töchter mit einer raschen Verheiratung vor Vergewaltigungen, sexueller Belästigung und romantischen Abenteuern zu schützen. (epd/bat)