«Brot für die Welt»

Mehr Geld für Anpassung an Klimawandel gefordert

Rund 90 Prozent der Länder im globalen Süden erhalten zu wenig Mittel, um mit den Folgen der Erderwärmung fertig zu werden. Zu diesem Schluss kommt ein kirchliches Hilfswerk in Deutschland.

Der Grossteil der Länder, die am stärksten von der Klimakrise betroffen sind, erhält zu wenig Hilfe bei der Anpassung an die Erderwärmung. Das erklärte das deutsche evangelische Hilfswerk «Brot für die Welt» anlässlich der Veröffentlichung des Klima-Anpassungsindex 2024. Besonders unterfinanziert seien demnach Länder in Zentral- und Ostafrika sowie Südasien.

Mit dem Index analysiert das Hilfswerk, wie gerecht die Hilfsgelder verteilt werden, die von den Industrieländern für die Anpassung an den Klimawandel bereitgestellt werden. Dafür wurden EU-Daten zum Klimarisiko mit Angaben der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) kombiniert.

Nur drei Staaten «gut finanziert»

Von 129 erfassten Ländern haben den Angaben zufolge 90 Prozent weniger Finanzmittel erhalten, als ihnen bei einer gerechten Verteilung zustehen würde. 37 Länder gelten als «extrem unterfinanziert» und erhalten damit weniger als die Hälfte der für sie angemessenen Gelder. Die drei am stärksten unterfinanzierten Länder sind laut «Brot für die Welt» Afghanistan, der Tschad und Südsudan. Zur Gruppe der extrem unterfinanzierten Länder zählen viele Staaten mit Krisen und Konflikten, etwa Myanmar, Burkina Faso und Haiti.

Als «gut finanziert» gilt die Anpassung laut Index, der den Zeitraum 2015 bis 2021 umfasst, lediglich in den drei pazifischen Inselstaaten Palau, Nauru und Tuvalu. Damit erhielten diese Länder einen Anteil an den internationalen Hilfsgeldern, der über ihrem Klimarisiko liegt.

Appell an Industriestaaten

«Brot für die Welt»-Klimaexpertin Sabine Minninger rief mit Blick auf die Weltklimakonferenz im November dazu auf, die Verteilungsgerechtigkeit stärker zu berücksichtigen. Vulnerable Staaten dürften «nicht auch noch diskriminiert werden». Minninger mahnte zudem insgesamt mehr Geld für die Anpassung an, worunter etwa der Bau von Dämmen gegen Überflutungen oder Investitionen in Frühwarnsysteme fällt. Nötig seien ab 2026 jährlich etwa 400 Milliarden US-Dollar. 2022 seien 32,4 Milliarden Dollar in Anpassungsprojekte geflossen.

Die 29. UN-Klimakonferenz wird vom 11. bis 22. November von Aserbaidschan ausgerichtet. Bei den zweiwöchigen Verhandlungen müssen sich die Staaten auf ein neues Klimafinanzierungsziel einigen. Die Industriestaaten hatten zugesagt, von 2020 bis 2025 jährlich 100 Milliarden US-Dollar an Klimahilfen für Länder des globalen Südens zu mobilisieren. Das Geld wird für den Klimaschutz sowie die Anpassung verwendet. Eine Summe für die Zeit nach 2025 steht noch nicht fest. Fachleute rechnen mit schwierigen Verhandlungen.

«Brot für die Welt» ist das Hilfswerk der evangelischen Landeskirchen und Freikirchen in Deutschland. Im Zentrum der Arbeit stehen laut Angaben der NGO «die Stärkung der Armen, die Friedensförderung und die Bewahrung der Schöpfung.» (epd/vbu)