Anglikanische Kirche

Sarah Mullally in Amt eingeführt

Historischer Gottesdienst: Sarah Mullally ist nun offiziell die erste Frau an der Spitze der Kirche von England und damit geistliches Oberhaupt der anglikanischen Weltgemeinschaft.
Sarah Mullally ist die 106. Erzbischöfin von Canterbury, sie ist die erste Frau im Amt. (Bild: Jordan Pettitt/ Keystone/ AP)

Sarah Mullally ist offiziell als Erzbischöfin von Canterbury eingeführt worden. Sie ist damit die erste Frau in diesem Amt (ref.ch berichtete). An dem Festgottesdienst in der Kathedrale von Canterbury mit rund 2000 Gästen nahmen Prinz William und seine Frau, Prinzessin Kate, für die königliche Familie teil. Der britische Premierminister Keir Starmer repräsentierte die Regierung. Vertreten waren zudem Geistliche aus der weltweiten Ökumene.

Gemäss den alten Riten von Canterbury musste Mullally zuerst vor dem Westportal der Kathedrale warten und dort anklopfen. Währenddessen verlas der Dekan im Inneren der Kathedrale einen Brief von König Charles III., dem weltlichen Oberhaupt der anglikanischen Staatskirche. Das Schreiben gestattete der Kathedralgemeinde, die Erzbischöfin am Portal in Empfang zu nehmen und sie zu begrüssen.

Taten statt Worte gefordert

Am Altar leistete Mullally einen Treueid auf die Gesetze der Kirche von England und einen weiteren auf den König. In Anwesenheit von Vertretern anderer Kirchen unterzeichnete die Erzbischöfin zudem eine ökumenische Verpflichtung der Kirchen in Grossbritannien.

In ihrer Predigt verwies Mullally auf Frauen in der Bibel, die sich mit Gottvertrauen auf eine unsichere Zukunft eingelassen hätten. Sie erwähnte Maria, die sich Gottes Weg stellte ohne zu wissen, wohin der Weg sie führte. Dieses Vertrauen sei kein naiver Optimismus, sondern ein mutiger Schritt ins Ungewisse, sagte Mullally sinngemäss.

Auch heute müsse sich die Kirche ihren eigenen Fehlern stellen. Besonders deutlich sprach die neue Erzbischöfin über das Versagen im Umgang mit Missbrauch. Die Kirche habe den Betroffenen zwar zugehört, aber oft nicht gut genug, nicht rechtzeitig und ohne die nötigen Konsequenzen. Worte reichten nicht aus, wahre Umkehr zeige sich in konkreten Taten wie dem ehrlichen Zuhören, der transparenten Aufarbeitung oder in der Übernahme von echter Verantwortung.

Weiter ermutigte Mullally Gläubige dazu, sich Gott anzuvertrauen und den eigenen Berufungen zu folgen. Die bisherige Bischöfin von London hatte die 140 Kilometer aus der Hauptstadt in ihre neue Bischofsstadt in den vergangenen Tagen als Pilgerweg zu Fuss zurückgelegt.

Versäumnisse aufarbeiten

Mullally ist jetzt die ranghöchste Bischöfin der Kirche von England und gilt als Erste unter Gleichen in der weltweiten Anglikanischen Gemeinschaft, zu der rund 90 Millionen Christen gezählt werden.

Mullally trete das Amt in einer schwierigen Zeit für ihre Kirche an, schrieb die britische Zeitung «The Guardian». Sie übernehme eine Institution, die mit Versäumnissen beim Kinderschutz, internen Spaltungen und Fragen nach ihrem Platz im modernen britischen öffentlichen Leben zu kämpfen habe (ref.ch berichtete). Aus konservativen anglikanischen Kreisen – vor allem aus Afrika – gibt es theologische und kirchenpolitische Kritik an Mullally, weniger an ihrer Person.

Die Geistliche, die an diesem Donnerstag 64 Jahre alt wird, wurde bereits im Januar zur Erzbischöfin ernannt. Vor ihrer Ordination im Jahr 2001 war sie oberste Pflegeverantwortliche im Gesundheitsministerium (ref.ch berichtete). Sie folgt Justin Welby. Dieser war im Zusammenhang mit einem Missbrauchsskandal und Versäumnissen bei der Aufklärung zurückgetreten (ref.ch berichtete). (epd/ dst)

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