Iran

Trauerzug mit Chameneis Leichnam führt durch Teheran

Vor der Beerdigung von Ajatollah Ali Chamenei wird dessen Leichnam in einer Prozession durch die Millionenmetropole Teheran geführt. Für das Regime ist die Staatstrauer eine Gelegenheit, Geschlossenheit zu demonstrieren.
Ein Wagen mit den Särgen von Ajatollah Ali Chamenei und Familienmitgliedern bahnt sich seinen Weg durch die Menschenmenge. (Bild: Vahid Salemi / Keystone)
Das Wichtigste in Kürze

Was geschieht bei den Trauerfeierlichkeiten für Ajatollah Ali Chamenei?
Der Trauerzug für den getöteten iranischen Religionsführer Ajatollah Ali Chamenei führt quer durch Teheran. Anschliessend sind Zeremonien in Ghom und im Irak geplant, bevor Chamenei am Donnerstag in seiner Heimatstadt Maschhad beigesetzt werden soll.

Welche politische Bedeutung haben die Trauerfeiern im Iran?
Die iranische Führung nutzt die Staatstrauer, um nach dem Krieg mit Israel und den USA Geschlossenheit und Handlungsfähigkeit zu demonstrieren. Die Abwesenheit von Chameneis Sohn und Nachfolger Modschtaba sowie prominenter Reformpolitiker sorgen für Spekulationen und Kritik.

Weshalb wird das Fernbleiben wichtiger Politiker kritisiert?
Mehrere frühere Präsidenten und führende Reformpolitiker nahmen nicht an den Zeremonien teil. Kritiker sehen darin eine verpasste Gelegenheit, nationale Einheit gegenüber der internationalen Öffentlichkeit zu demonstrieren.

Der Trauerzug für den früheren Religionsführer Ajatollah Ali Chamenei begann im Osten der Hauptstadt und führt über die zentrale Hauptverkehrsachse bis zum Asadi-Turm im Westen der Stadt, wie die Regierung mitteilte.

Der Trauerzug durch die Stadt könnte bis zu 12 Stunden dauern, sagte der mit der Planung beauftragte General, Hassan Hassansadeh, im staatlichen Fernsehen.

Chamenei war am 28. Februar durch einen israelischen Luftangriff auf seinen Amtssitz in Irans Hauptstadt getötet worden (ref.ch berichtete). Anschliessend führten die USA und Israel mehr als fünf Wochen Krieg gegen den Iran, bis sich Vertreter aus Washington und Teheran Anfang April auf eine Waffenruhe einigten (ref.ch berichtete).

Aus Sicherheitsgründen sperrte der Iran für Montag den Luftraum über Teheran. Auch für Dienstag und bis zu Chameneis Beerdigung am Donnerstag wurden zeitweise und örtlich begrenzte Einschränkungen beim Flugverkehr verkündet. Das ehemalige Staatsoberhaupt soll in seiner Heimatstadt Maschhad im Nordosten des Landes beigesetzt werden. Davor sind Zeremonien in der Pilgerstadt Ghom und im Nachbarland Irak geplant.

Rätselraten um Sohn und Nachfolger

Für Chameneis Anhänger und die iranische Führung ist die Staatstrauer zugleich Abschied und Demonstration politischer Geschlossenheit. Für die Staatsspitze bietet die Grossveranstaltung die Gelegenheit, Einheit und Handlungsfähigkeit zu demonstrieren. Seit Wochen betont die Regierung, den Krieg gegen die militärisch überlegenen USA und Israel überstanden zu haben.

Chameneis Sohn Modschtaba war eine Woche nach dem Tod seines Vaters Anfang März zum neuen Staatsoberhaupt ernannt worden, trat seitdem jedoch nicht öffentlich auf. Das löste Spekulationen über seinen Gesundheitszustand aus. Von schweren Verletzungen ist die Rede. Das Staatsfernsehen bezeichnete ihn als «Kriegsversehrten», nannte aber keine weiteren Details. An den Trauerfeierlichkeiten liess er sich bisher nicht blicken.

In Ghom soll der einflussreiche Ajatollah Makarem Schirasi (99) das Totengebet leiten, in Maschhad Nuri Hamedani (101). In Teheran trat der 97-jährige Grossajatollah Dschafar Sobhani dabei als Vorbeter auf.

Reformisten fehlen

Während hochrangige Vertreter aus Regierung und Militär an den Trauerfeiern teilnahmen und sich teils erstmals seit Kriegsbeginn öffentlich zeigten, kritisierten einige Politiker die Abwesenheit prominenter Persönlichkeiten. Der ehemalige Vizepräsident Mohammed Ali Abtahi beklagte auf X, dass frühere Präsidenten nicht eingeladen worden seien. «Eine solche Anwesenheit hätte (...) ein Bild der inneren Geschlossenheit und des nationalen Zusammenhalts vor den Augen der Weltöffentlichkeit vermitteln können», schrieb er.

Vor allem führende Politiker aus dem Lager der Reformisten waren nicht bei den Trauerfeiern zu sehen, darunter die ehemaligen Präsidenten Hassan Ruhani und Mohammed Chatami sowie der frühere Aussenminister Mohammed-Dschawad Sarif. Auch Ex-Präsident Mahmud Ahmadinedschad war abwesend. (sda/ dpa/ no)

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