Krieg im Nahen Osten
Streit um die Strasse von Hormus soll beigelegt werden
In den vergangenen Tagen ist die Lage im Nahen Osten zum wiederholten Mal eskaliert. Das US-Militär griff Ziele im Iran an und reagierte damit auf Attacken auf Schiffe in der Strasse von Hormus, die Washington Teheran zuschreibt. Irans Revolutionsgarden wiederum attackierten Ziele in den mit den USA verbündeten Golfstaaten Kuwait und Bahrain.
Nun wollen die USA und der Iran ihre gegenseitigen Angriffe US-Angaben zufolge vorerst einstellen und weiter verhandeln. «Beide Seiten werden vorerst von weiteren Massnahmen absehen», erfuhr die Nachrichtenagentur dpa aus informierten Kreisen in Washington. Schiffe könnten frei verkehren, während die technischen Gespräche zur Umsetzung des Rahmenabkommens fortgesetzt werden sollen. Sie seien für die kommenden Tage geplant, so ein ranghoher Beamter. Zudem seien die Kanäle zur Konfliktvermeidung eingerichtet und funktionsfähig.
Irans Klerus hält nichts von Dialog
Nach Informationen des US-Portals «Axios» wollen sich beide Seiten am Dienstag in Katars Hauptstadt Doha treffen, um ihren Streit um die Meerenge beizulegen. Eine offizielle Bestätigung gab es dafür zunächst nicht.
Unklar ist, wie die Revolutionsgarden zu einem erneuten Dialog stehen. «Die Strasse von Hormus wird innerhalb der kommenden 30 Tage wieder vollständig unter die Verwaltung des Iran gestellt», sagte Aussenminister Abbas Araghtschi am Sonntag. Die Verantwortung für die Meerenge liege allein beim Iran. Irans einflussreicher Klerus forderte am Wochenende in einer schriftlichen Erklärung einen Abbruch der Gespräche, weil die USA durch ihre Angriffe gegen den ersten und zentralen Punkt des Rahmenabkommens – das Ende der Kampfhandlungen an allen Fronten – verstossen hätten. Auch regierungsnahe Medien argumentierten in diese Richtung.
Unschärfen im Rahmenabkommen
Auslöser für die jüngste Eskalation waren unterschiedliche Auslegungen des vor rund zwei Wochen unterzeichneten Rahmenabkommens zur Beendigung des Krieges – insbesondere hinsichtlich der Bestimmungen zu der für den Welthandel wichtigen Strasse von Hormus. Das Rahmenabkommen habe «bewusst auf flexible Formulierungen gesetzt, weil dies wahrscheinlich der einzige Weg war, sie zum Abschluss zu bringen», sagte Nicole Grajewski von der Pariser Elitehochschule Sciences Po der «New York Times». Doch genau diese Unschärfe habe dazu geführt, dass nun beide Seiten versuchten, vor Ort Fakten zu ihren Gunsten zu schaffen, bevor die Details in einer finalen Vereinbarung festgelegt werden, sagte die Politologin. (sda/ eba)