Dank statt Trauer zum Abschied von Kurt Marti

Familie, Freunde und Weggefährten erwiesen dem verstorbenen Dichter und Pfarrer Kurt Marti am Donnerstag im Berner Münster mit einem Dankgottesdienst die letzte Ehre.

Kurt Marti (1921-2017).
Kurt Marti (1921-2017). (Archivbild Reformierte Medien)

Das Berner Münster war fast bis auf den letzten Platz besetzt. Zu den bekanntesten Gästen zählten Bundesrätin Simonetta Sommaruga, der Berner Stadtpräsident Alec von Graffenried und Nationalrätin Regula Rytz. Aus Kultur und Kirche kamen unter anderen die Schrifsteller Franz Hohler, Lukas Hartmann, der Berner Synodalratspräsident Andreas Zeller und Vizepräsidentin Pia Grossholz-Fahrni.

Aus Platzgründen musste man ins Münster ausweichen, obwohl die Familie Martis den Gottesdienst gerne in der Nydeggkirche gefeiert hätte. Lange Jahre hatte Marti dort als Pfarrer gewirkt.

Ein unbestechlicher Beobachter

Marti habe sich einen Dankgottesdienst anstelle einer Trauerfeier gewünscht, sagte Nydeggpfarrer Markus Niederhäuser in seiner Ansprache, in der er eines einzigartigen Menschen und seines reichen Schaffens gedachte. Martis Texte, ob literarische oder theologische, seien immer jung geblieben und von verblüffender Aktualität, sagte Niederhäuser.

Mit knappen, präzisen Worten wusste Marti Zusammenhänge aufzuzeigen und Sinn zu erschliessen. Er war stets ein unbestechlicher Beobachter seiner Zeit. Doch auch seine wortspielerische, humorvolle Seite blitzte immer wieder auf.

Manche seiner Gedichte sind längst Allgemeingut geworden. So etwa: «Wo chiemte mer hi/ wenn alli seite/ wo chiemte mer hi/ und niemer giengti/ für einisch z’luege/ wohi dass me chiem/ we me gieng».

Marti blieb unablässig ein scharfer Beobachter, auch des eigenen Lebens. So beschrieb er etwa die Perspektivlosigkeit kurz vor dem Tod in seiner eigenen, heiter-bitteren Art: «Wer kein Heim mehr hat, geht in ein Heim. Was tut er dort? Wartet auf seinen Heimgang.»

Bewegendes Gebet

In seiner Predigt hob Niederhäuser die Verwandtschaft von Kurt Martis Denken mit dem biblischen Buch Kohelet hervor. Beide würden auf einzigartige Weise Humor und Melancholie verbinden. Letztere holte Marti nach dem Tod seiner geliebten Frau immer wieder ein. Das Leben als Witwer liess ihn die Einsamkeit spüren: «Seitdem die täglich und nächtlich vertraute Zwiesprache aufgehört hat, schwinden mein Wortschatz und mein Ausdrucksvermögen», schrieb er in seinen «Spätsätzen».

In einem der bewegendsten Momenten der Feier betete die Schauspielerin Meret Matter das «Unser Vater» in der bekannten Umdichtung von Kurt Marti von 1980: «unser vater/ der du bist die mutter/ die du bist der sohn/ der kommt/ um anzuzetteln/ den himmel/ auf erden […]».

Kurt Marti ist am 11. Februar im hohen Alter von 96 Jahren verstorben. (sda/ref.ch)