32 kleine Luther zu Füssen Zwinglis

Letzten Samstag haben 32 Luther-Figuren das Limmatquai bevölkert. Konfirmanden platzierten die metergrossen Figuren rund um das Zwingli-Denkmal bei der Zürcher Wasserkirche. Die Kunstaktion fand im Vorfeld der Zürcher Wirtschaftskonferenz der Martin Luther Stiftung vom 17. November statt.

Luther trifft Zwingli.: Aktion der lutherischen Kirche Zürich zur 500-Jahr Feier der Reformation.
Luther trifft Zwingli: Aktion der lutherischen Kirche Zürich zur 500-Jahr Feier der Reformation. (Alle Bilder: Vera Markus, Zürich)

«Luther trifft Zwingli» hiess die Kunstaktion, bei der Konfirmanden der lutherischen Kirchgemeinden der Schweiz und der reformierten Kirchgemeinde Grossmünster Figuren rund um das Zwingli-Denkmal platzierten. Den Passanten wurden mündlich und mit Flyern die historischen Hintergründe erläutert. Eine ökumenische Abendmahlsfeier in der Wasserkirche schloss die Veranstaltung ab, die im Vorfeld der Zürcher Wirtschaftskonferenz der Internationalen Martin Luther Stiftung stattfand.

Martin Luther und Huldrych Zwingli begegneten sich nur ein einziges Mal in ihrem Leben. Bevor es zum historischen Treffen kam, kämpften die beiden grossen Reformatoren in vielen Schriften gegeneinander, seitdem unter ihnen im Jahr 1525 ein Streit über das Abendmahl ausgebrochen war.

Die Bedeutung von «significat»

Da der Streit zu immer heftiger wurde, traf man sich zum Gespräch. Bis zum Abend sprachen sich der Wittenberger und der Zürcher Reformator über ihre unterschiedlichen Abendmahlslehren aus, ohne dass eine Seite ihre Position aufgegeben hätte. Zwingli argumentierte, das «ist» in den Einsetzungworten («dies ist meine Leib») müsse als «bedeutet» (significat) verstanden werden, und der Leib Christi könne nicht gleichzeitig im Himmel und im Sakrament sein. Luther hingegen hielt am Wortsinn fest. Beide Reformatoren beharrten auf ihren Meinungen, und das Gespräch endete ohne Verständigung.

Die Abendmahlslehre war und blieb der einzige Punkt, der die beiden grossen protestantischen Kirchen trennte. Erst 1973 wurde auf dem Leuenberg bei Basel eine Abendmahls-Übereinkunft der reformatorischen Kirchen in Europa (Leuenberger Konkordie) erarbeitet. Damit wurde die Kirchengemeinschaft zwischen den lutherischen, reformierten und den aus ihnen hervorgegangenen unierten Kirchen sowie den vorreformatorischen Kirchen der Waldenser und der Böhmischen Brüder möglich.