Missbrauch

15’000 Euro für evangelische Missbrauchsopfer

Erstmals seit der Publikation der Missbrauchsstudie der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) wird öffentlich über Konsequenzen diskutiert. Betroffene sollen Geld bekommen und eine Ombudsstelle ist geplant.

Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) hat ein Modell für Entschädigungszahlungen an Opfer sexualisierter Gewalt präsentiert. Es werde eine Kombination aus einer individuellen und einer pauschalen Leistung geben, sagte Detlev Zander, Sprecher der Betroffenen von sexualisierter Gewalt, an der Jahrestagung der EKD in Würzburg. Als pauschale Leistung sollen im Falle strafbarer Taten 15’000 Euro gezahlt werden.

Für Betroffene sei diese Summe die «absolute Untergrenze», sagte Zander. Er bezeichnete das Modell als «hart errungenen Kompromiss» und kritisierte, dass es manchen Verantwortlichen in Kirche und Diakonie immer noch «zu teuer» sei.

Die Sprecherin der kirchlichen Beauftragten im Beteiligungsforum, Dorothee Wüst, betonte, die Landeskirchen und diakonischen Verbände seien am Zug, dafür Sorge zu tragen, dass es am Ende nicht mehr verschiedene Modelle für Anerkennung und Aufarbeitung gebe, «sondern einheitliche und verlässliche Standards in Nord und Süd, in Ost und West.»

Eine entsprechende Rechtsnorm soll dafür erarbeitet werden. Des Weiteren soll eine zentrale Ombudsstelle geschaffen werden, die Betroffene bei Konflikten mit kirchlichen und diakonischen Stellen unterstützt.

Das sind zwei Aspekte eines zwölf Punkte umfassenden Massnahmenplans. Dieser ist aus der ForuM-Studie zu sexualisierter Gewalt in der evangelischen Kirche und der Diakonie hervorgegangen. Die Studie war im Januar von einem unabhängigen und interdisziplinären Forscherteam veröffentlicht worden. Es ist die erste bundesweite Studie dieser Art.

Die Forscher gehen darin von mindestens 1259 Beschuldigten, darunter 511 Pfarrpersonen, und mindestens 2225 Betroffenen für den Bereich der EKD und der Diakonie aus. Die Synode der EKD, die noch bis Mittwoch tagt, diskutiert erstmals öffentlich seit Januar über die Ergebnisse.

Der Massnahmenplan wurde im sogenannten Beteiligungsforum sexualisierter Gewalt erarbeitet, in dem sowohl Betroffenenvertreter als auch Vertreter von EKD und Diakonie sitzen. Die vorgeschlagenen Massnahmen sollen bis 2030 umgesetzt werden. (epd/ dst)