Diplomatie

100 Jahre Wiederaufnahme der Beziehungen zum Vatikan

Zur Wiederaufnahme diplomatischer Beziehungen mit dem Heiligen Stuhl vor 100 Jahren hat Aussenminister Ignazio Cassis den Staatssekretär des Vatikans empfangen. Der Bundesrat und der Kardinal unterzeichneten dabei eine Erklärung zur Stärkung der gemeinsamen Friedensförderung.

Bei dem offiziellen Besuch des vatikanischen Staatssekretärs Pietro Parolin in Bern standen beim Gespräch mit Bundesrat Ignazio Cassis bilaterale und internationale Themen im Zentrum, wie das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) mitteilte. Die Feierlichkeiten hätten schon letztes Jahr stattfinden sollen, mussten aber wegen der Covid-19-Pandemie verschoben werden.

Vor dem Hintergrund zunehmender Kriege und schwindender Menschenrechte erklärten die Schweiz und der Heilige Stuhl, ihr Engagement zu verstärken, um den Frieden zu festigen und die Menschenwürde zu schützen. Die weltweite Abschaffung der Todesstrafe, der Schutz von Minderheiten und der interreligiöse Dialog seien dabei besonders wichtig, hiess es.

Interkonfessionelles Treffen

Der Besuch von Kurienkardinal Parolin begann mit einem Höflichkeitsbesuch bei Bundespräsident Guy Parmelin. Anschliessend fand im Rathaus Bern ein interkonfessionelles Treffen statt. Dieses war von der Schweizer Bischofskonferenz und der Evangelisch-Reformierten Kirche der Schweiz (EKS) organisiert worden. Am Nachmittag eröffneten der katholische Würdenträger und Cassis an der Universität Freiburg eine Konferenz zur Geschichte der Beziehungen zwischen den beiden Staaten.

Die diplomatischen Beziehungen der Schweiz zum Vatikan waren zwischen 1873 und 1920 unterbrochen gewesen. Papst Pius IX. hatte 1873 wegen kantonaler Massnahmen gegen die katholische Kirche in den Schweizer Kulturkampf eingegriffen. Deshalb hob der Bundesrat die diplomatischen Beziehungen auf.

Botschaft geplant

1920 wurden die Beziehungen wieder aufgenommen, und der Vatikan eröffnete die Apostolische Nuntiatur in Bern. Die vorherige Nuntiatur war 1586 in Luzern eingerichtet worden und die älteste ständige Vertretung des Vatikans nördlich der Alpen.

Am 1. Oktober beschloss der Bundesrat, beim Heiligen Stuhl in Rom eine Schweizer Botschaft zu errichten. Das Geschäft ist zur Konsultation beim Parlament. Es wäre die erste Botschaft der Schweiz im Vatikan.

Die diplomatischen Interessen der Schweiz nimmt seit 2014 der Schweizer Botschafter in Slowenien wahr. Die Botschaft in Rom kann aufgrund der Lateranverträge nicht gleichzeitig für Italien und den Vatikan zuständig sein. (sda/mos)